Zurück zu Apple

Im Mai letzten Jahres schrieb ich über meinen Umstieg von Mac auf Windows. In einer kleinen Serie schrieb ich darüber. Ich war die schlechte Produktpolitik von Apple leid, die mir keine Auswahl bei der Hardware gab. Die sinnlose Touchbar störte mich genauso wie der Zwang zu Adaptern. Denn schliesslich besitzt jedes MacBook Pro nur noch USB-C-Anschlüsse.

Ich fand einen sehr guten Ersatz in einem Lenovo-Notebook. Und mit einigen Unebenheiten gewöhnte ich mich an Windows. Ich merkte zwar immer wieder, dass ich mich an macOS über die Jahre gewöhnt hatte und auch so manche neuen Tastaturkürzel mir noch immer nicht flüssig von der Hand gingen. Ich gewöhnte mich über die Monate auch nicht an die Position der Pfeiltasten auf meiner externen Microsoft-Tastatur. Aber ich war trotzdem von Hard- und Software überzeugt. Vor allem brauchte ich nun keine virtuelle Maschine mehr, um auf Windows-Browsern zu testen.

Dann wurde in meinem aktuellen Projekt Anfang 2019 das Versionierungssystem von Mercurial auf Git umgestellt. Eigentlich ein Tag der Freude. Für mich begann ein intensiver Leidensweg.

Ich war in meinem Projekt der einzige Windows-Nutzer. Und ich war nach der Umstellung der Einzige mit Problemen. Das ist übrigens noch untertrieben. Ich konnte das Projekt nicht nutzen. Denn in dem Moment, in dem ich das Projekt geclonet hatte, wurden mir mehrere geänderte Dateien angezeigt. Dateien, die ich niemals anfassen würde, weil sie etwas mit dem verwendeten Java-CMS zu tun hatten, das ich nicht bediene.

Ich versuchte mit der Hilfe einiger Kollegen der Sache auf den Grund zu gehen. Alle erdenklichen Strategien schlugen fehl.

  • Es lag nicht an der eingestellten Verwendung des Linefeed.
  • Ursprünglich nutzte ich das „Windows Subsystem for Linux“ (WSL), also ein echtes Ubuntu. Darunter funktionierte das Git-Projekt leider nicht.
  • Ich installierte mir „Git for Windows“ mit der Git Bash. Auch das brachte nichts.

Am Ende holte ich meinen alten Mac wieder aus der Versenkung hervor und bestellte mir einen neuen. Denn kaum hatte ich alles auf dem Mac, funktionierte die Sache reibungslos. Es ist ein Trauerspiel.

Die Annahme, man könne generell auf Windows nicht mit Git arbeiten, ist albern. Ziemlich viele Entwickler tun genau das. Aber es war nicht herauszufinden, wo der Fehler lag. Und nach ein paar Tagen des nutzlosen Herumprobierens war ich es leid. Es mag eine Kurzschlusshandlung gewesen sein, nicht einfach die letzte Phase des Projektes mit dem alten MacBook Pro durchzuhalten. Aber wenn das in diesem Projekt schon daneben ging, wer gibt mir die Garantie, dass es nicht auch im nächsten Projekt ebenso daneben geht.

Mir fiel der Umstieg zurück umso leichter, als ich feststellen musste, dass es zwei für mich sehr wichtige Programme nicht in der akzeptablen Qualität auf Windows gibt: ein Mailprogramm und ein Dateimanager.

Natürlich gibt es beides und ich habe mir sogar für ein Mailprogramm eine Lizenz auf Lebenszeit gekauft. Aber die Bedienung dieses Mailprogrammes und einiger anderer war für meinen Geschmack nie so gut, wie das von Apple selber. Und in Sachen Dateimanager kommt kein Programm auch nur ansatzweise an ForkLift heran. Vor allem: wenn ihr eine hässliche Software sucht, habt ihr bei Dateimanagern eine große Auswahl. Ich habe keinen gefunden, der mir nicht schon nach spätestens fünf Minuten Unwohlsein bereitete.

Die grundsätzliche Hässlichkeit von Windows-Software motivierte mich 2009 zum Umstieg. Leider hat sich daran bis heute nichts grundsätzlich geändert. Es gibt moderne und sehr attraktive Software, aber die ist leider die Ausnahme. Ich werde beispielweise die Mediathek-Software von Windows vermissen. Denn Mediathekview auf dem Mac ist eine hässliche Java-Anwendung (oder Python oder was anderes Grausames).

Bei der ganzen Aktion musste ich feststellen, dass die Spezies der Windows-Hasser noch immer nicht ausgestorben ist. Idealerweise sind das Admins, die auf alle Fälle wissen, dasss Windows des Teufels ist, aber bei Problemen mangels Wissen nicht helfen können. Sowas regt mich auf. Ich habe meinen Kollegen mehrfach gesagt, dass mich Betriebssysteme rein grundsätztlich nicht mehr interessieren. Die Dinger sollten funktionieren. Alles andere ist mir egal. Tja, und damit haperte es ja leider. Denn dummerweise funktionierte meine Arbeit unter Windows nicht.

Nun tippe ich diesen Zeilen also im Hotelzimmer auf einer unmöglich lauten Tastatur vor einem Monitor, der 15 Zoll groß sein soll, aber größer ist und eine tolle Farbbrillanz hat. Der MacBook ist fast genauso schwer wie mein 5 Jahre alter Mac, aber dafür nur ein Drittel so dick. Das muss man erst einmal schaffen. Für Adapter habe ich mehrere hundert Euro ausgegeben. Und ich habe mich darüber ärgern dürfen, dass Apple ernsthaft ein Laddegerät ohne Kabel verkauft. Das steht natürlich nicht direkt auf der tollen Verpackung. Kein normal denkender Mensch kommt auch auf die Idee, dass das möglich wäre.

Ich ärgere mich zwar, dass ich Apple wieder Geld in den Rachen geschmissen habe, weil ich die Hardware noch immer vollkommen daneben finde. Ich musste aber feststellen, dass sich die Software für mich besser anfühlte, als Windows. Ich kann also nur hoffen, dass die arroganten Herren in Cupertino nochmal ein Einsehen haben und macOS nicht komplett mit iOS zu einem Möchtegern-OS verschmelzen. Es reicht doch, dass sie uns die Hardware-Experience kaputt gemacht haben.

Ich habe jetzt ein Lenovo-Notebook mit 1 TB Festplatte abzugeben. Bei Interesse einfach bei mir melden.

7 Responses to “Zurück zu Apple”

  1. Michael Bode sagt:

    Hallo, wieviel Arbeitsspeicher und welche Grafikkarte hat denn das Lenovo?
    Der Monitor ist der IPS /1920×1080?

    Schöne Güße
    Michael Bode

    • Es ist ein ThinkPad T480s – schwarz, mit 24 GB RAM, 1 TB SSD, Win 10 Pro 64, 1920 x 1080 Touch Monitor. Kannst auch ein zweites Original-Netzteil dazu bekommen. Ich habe drei 🙂 Wenn ich ab Freitag wieder zuhause bin, kann ich mich damit intensiver beschäftigen.

      • Michael Bode sagt:

        Falls er nicht schon weg ist, welche Grafikkarte ist denn da drin?

        • Der Rechner ist noch nicht weg. Und ich habe auch erst frühestens zu Ostern Zeit, ihn zu säubern und neu aufzusetzen.

          Da ich wochentags nicht zuhause und bei meinem Windows-Rechner bin, kann ich Dir nur wiedergeben, was Lenovo zu dem T480S selber angibt: es soll Intel HD 620 sein, also ein integrierter Grafikchip, keine Grafikkarte. Zum Spielen ist der Laptop bestimmt nur bedingt geeignet.

          Kann ich überhaupt nicht beurteilen, da ich nicht spiele. HTML und CSS reichen mir völlig 🙂

          • Michael Bode sagt:

            Besten Dank für die Info, geht um Bildbearbeitung, aber da ist Onboard-Grafik auch nicht unbedingt das ideale…

  2. Peter sagt:

    Wie du schon öfters hier geschrieben hast, bist du scheinbar auch einer der wenigen Entwickler, denen das Look & Feel des OS wichtig ist; geht mir auch so. Nach vielem hin und her bin ich seit ein paar Monaten bei Elementary OS gelandet – ja genau, das ‚Anfänger-Linux‘.
    Der Desktop ist schön und funktional, das System ist schnell (keine aufgeblähten Snaps wie bei Ubuntu), und da es auf Ubuntu basiert kann man alle nötigen Programme nachinstallieren.
    Bin mittlerweile von Windows und Mac OS fast komplett weg; bis auf Grafik (Affinity) und Musik (Ableton) fehlt mir nichts an Linux.
    Gehe auch davon aus, das Apple IOS und Mac OS zusammenführen wird, was aber bestimmt noch Jahre dauert. Viel früher erwarte ich eine Umstellung der Macs von Intel auf ARM.

    • Ich sitze den ganzen Tag vor dem Rechner. Da finde ich es nur natürlich, dass neben der Usability auch die Optik stimmen darf.

      Linux kommt für mich nicht in Frage. Ich will mich eigentlich überhaupt nicht mit dem OS beschäftigen. Dieser Gedanke ist in der Linux-Community glaube ich eher verpönt. Und zudem bin ich damit in einer noch größeren Nische. Dann brauche ich echt für alles eine VM.

      Das Schöne am Weg zurück ist, dass ich jetzt wieder tolle kleine Tools nutzen kann, wie den Farbpicker Sip. Die würden mir auf Linux genauso wie unter Windows fehlen.

      Im Grunde ist macOs ja so eine Art hübscher Desktop für ein Unix, also eine Art Linux Verwandter. Nur muss ich nicht selber tief ins System eingreifen. Es ist ein wenig Deppen-kompatibel. Obwohl das noch besser ginge.