Ich bin ein BarCamp-Fan

Am Wochenende fand in Köln ein BarCamp statt, das zweite überhaupt in Deutschland. Das Konzept kann man grob so beschreiben: ein Haufen Internet-Junkies trifft sich an einem Ort und findet sich spontan zu Diskussionen und Vorträgen zusammen. Es muß nichts vorbereitet sein, es ist kein Frontalunterricht gewünscht. Geballte Kompetenz und Neugier auf einem Haufen gebiert interessante Diskussionen, wie ich feststellen durfte.

Es gibt massenweise Blogberichte und einen flickr-Pool über diese Veranstaltung, so kann sich jeder ein wirklich umfassendes Bild machen.

Das BarCamp war super organisiert, ein großes Dankeschön meinserseits an das Organisatorenteam – ich verneige mich in Ehrfurcht vor Eurer Leistung. Und natürlich auch ein Dankeschön an die Sponsoren, dank deren Einsatz alles kostenlos war. Wir bekamen ein sehr gutes Frühstück, viel besser als in meinem Hotel, und ein richtig variationsreiches Mittagessen. Den ganzen Tag konnte man sich an Mineralwasser, Säften, Kaffee und Tee bedienen. Der Sicherheitschef des Veranstaltungsortes (QSC) sprang über seinen Schatten und richtete ein WLAN ein. Er konnte es sich gleich vor Ort von ein paar bekannten Hackern durchchecken lassen.

Wir Teilnehmer waren eine erstaunlich und erfrischend inhomogene Truppe. Da gab es neben Journalisten und Marketingmenschen ein paar Studenten, Grafiker, Frontend- oder Backenendentwickler, Sicherheitsbeauftragte und Techniker. Einfach alle Facetten die dieses spannenden Medium namens Internet so benötigt, füttert und gebiert.

Die Liste der Sessions ist nicht vollständig, bietet aber einen guten Überblick über die Vielfältigkeit des Angebotes. Ich selber veranstaltete am ersten Tag mit Tomas Caspers eine Session zur Frage, wie man denn Webstandards besser promoten könnte. Am zweiten Tag bot ich mit Ansgar Hein ganz spontan eine Session zu XHTML/CSS-Frameworks an, mit einem besonderen Augenmerk auf YAML, dessen Praxiseinsatz Ansgar demonstrierte. Ich hatte den Eindruck, daß gerade diese zweite Session einigen Teilnehmern eine gute Anregung war. Genau wie die danach sehr spontan – auf mein Flehen, Bitten und Betteln – zustande gekommene Session zu jQuery eine Anregung für mich war. Timo Derstappen zeigte, wie er jQuery in der Praxis einsetzt, um seine Oberflächen charmanter bedienbar zu machen.

Die vielleicht beeindruckendste Session dieses Wochenendes war „Polizei 2.0“ von Guido Karl aus dem NRW-Innenministerium. Guido ist bislang bekannt gewesen für seinen leidenschaftlichen Einsatz in Sachen Barrierefreiheit, der mit der allerersten goldenen BIENE überhaupt vor Jahren belohnt wurde. Seine Session am Sonntag morgen kam einer Generalversammlung gleich. Kaum ein Teilnehmer fehlte in diesem Raum. Seine Session drehte sich um Kriminalität und Medienkompetenz. Brutale Spiele wurden genauso thematisiert wie fehlender Jugendschutz (vor allem seitens der Eltern) und der Umgang mit Verbrechen und Unglücken in Zeiten von Videohandys und Videocommunities. Seine Einführung war inhaltlich leidenschaftlich, aber mehr fragend als antwortend. Die Diskussion zwischen den Teilnehmern war sehr interessant und vielschichtig. Positiver Nebeneffekt dieser Session bzw. dieses Wochenendes ist, daß Guido nun auch bloggt. Willkommen in der Blogosphäre, Guido!

Ich bin BarCamp-infiziert, soviel ist klar. Das nächste BarCamp findet in Nürnberg statt. Mir paßt der Termin nicht, eine Teilnahme kann ich aber nur empfehlen. Die Diskussionen, egal ob in den Sessions oder drumherum, sind anregend und motivierend.

4 Responses to “Ich bin ein BarCamp-Fan”

  1. […] F-Log, Jens erklärt dort auch bisserl was zur Polizei-Session in Köln. Trackback-URL Gelesen: 2 heute:2 […]

  2. […] Ich wollte mich schon längst über das BarCamp in Köln geäußert haben. Bis ich es selbst mal schaffe freue ich mich über das positive Feedback, das man hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier nachlesen kann. Es ist sehr bekräftigend, dass der “Spirit of BarCamp” so wunderbar transportiert werden konnte und ich danke allen Teilnehmern dafür, dass sie aus dem BarCamp in Köln das gemacht haben, was es letztendlich geworden ist. […]

  3. Endlich mal eine interessante, vielversprechende Veranstaltung in der »Nähe« von Dortmund — und ich konnte leider nicht dabei sein. Deine begeisterte und begeisternde Zusammenfassung motiviert mich zusätzlich, an einem der nächsten BarCamps teilzunehmen. Vielen Dank dafür!