Ein Rückblick auf das Barcamp Hannover

Der Barcamp-Virus läßt mich nicht los. Desmal war es das Barcamp Hannover. Es war wieder sehr schön, auch weil es eine sehr gute Mischung aus neuen und unbekannten Gesichtern gab. Wieder habe ich ein paar Menschen erstmals treffen können, mit denen ich schon länger in virtuellem Kontakt war, allen voran David Maciejewski.

Die Sessions waren thematisch sehr breit aufgestellt, das Socializing vor nach und zwischen den Sessions war intensiv. Auf dem Mannheimer Barcamp herrschte in den meisten von mir besuchten Sessions eine reine Konsumentenhaltung vor. Die Telnehmer liessen sich was erzählen. In Hannover war die Beteiligung viel reger, ein echter Austausch möglich. Dies ist genau der Aspekt, den ich an Barcamps so toll finde. Man kommt schnell mit echten Profis ins Gespräch und lernt auch als Vortragender von Fragen oder Widerspruch.

Diesmal bot ich selber zwei Sessions an. In der ersten Session stellte ich mit Eric Eggert zusammen ein paar Thesen in den Raum, welche Problemfelder schnellstmöglich angegangen werden müßten, damit das Internet den nächsten Entwicklungssprung machen kann, Unsere Thesen lösten einigen Widerspruch und Diskussion aus. Es waren interessante Diskussionen. Leider war eine Stunde dafür zu knapp bemessen.

In der zweiten Session stellten Eric Eggert, David Maciejewski, Dennis Frank und ich (vier Webkrauts) unter dem Motto „Gute Seiten, Schlechte Seiten“ genau dieses vor. Wir sezierten ein paar Seiten und stellten gute und schlechte, teilweise katastrophale Umsetzungen vor. Es machte viel Spaß, unseren Zuhörern offenbar auch.

Als Teilnehmer besuchte ich eine Session über SCRUM bzw. dessen Ausformung in der Praxis bei Weblin. Es war ein Blick in eine andere Welt. So wie dort beschrieben habe ich leider noch nie gearbeitet. Aber es ist mein Wunsch, wichtige Ansätze in meinen nächsten größeren Projekten auszutesten.

In einer anderen Session gab es sehr interessante Hinweise zur Usability von Webseiten. Florian Baileys Leitgedanke ist das user-centered Design. Eine Denkschule, mit der ich auch sehr sympathisiere. Er zeigte sehr schön an Jamba, wie man die gängigen Usability-Erkenntnisse brechen kann, um den User in die Irre zu führen und selber einen finanziellen Vorteil zu ziehen. Ich habe viele neue Erkenntnisse, viele neue Eindrücke und Beispiele mitgenommen.

Beeindruckt war ich wieder von einer Session von Oliver Überholz. Diesmal brachte er einen Überblick über chinesische Internetseiten (natürlich mit dem Schwerpunkt Web 2.0). Nebenbei haben wir alle viel über die chinesische Kultur und das Leben dort gelernt. Er kann mich zwar nicht davon überzeugen, in diese menschenverachtende Diktatur zu reisen, interessant war es nichtsdestotrotz.

Die Stärke des Barcamps ist die Möglichkeit zur Spontaneität. Aufgrund des großen Interesses am neuen EeePC bot am Sonntag jemand eine Session dazu an und zeigte ein wenig, was man mit dem kleinen Rechner so machen kann. Der Referent – Jan Krämer – war auf diesem Barcamp mein Retter in Sachen WLAN, denn es ist leider nicht intuitiv, einen EeePC mit einem Cisco-VPN-Client ins Netz zu bekommen. Nach einigen Stunden Arbeit und dank einer zweiten helfenden Hand hatte er es am späten Samstagnachmittag geschafft.

Dank der guten Organisation gab es Getränke in Hülle und Fülle: Cola, Mineralwasser, Bionade, den guten Walthers Apfelsaft. Außerdem wurden nun auch wir von den Kaffeespezialitäten von sonntagmorgen.com wach gehalten. Das kalte Buffet war üppig, sehr üppig. Insbesondere am Sonntag hätten wir mit den Resten noch eine halbe verhungerte Schule durch den Tag bringen können.
Die Räumlichkeiten waren sehr gut, einziger Schwachpunkt waren das WLAN und die Empfangsqualität für Mobilfunk. Das WLAN war stark abgeschottet, weshalb man einen separaten VPN-Client installieren mußte. Zeitweise ging zudem die Leistung extrem in den Keller, es fehlte also offenbar an Bandbreite. Noch schlimmer war, daß man eigentlich nur in Räumen mit Fenstern Handyempfang hatte. Das war umso unverständlicher, als wir uns auf dem ehemaligen Expo-Gelände befanden, also unweit der Messe.

Es war ein richtig gutes Barcamp. Dazu haben neben den Teilnehmern und der fleissigen Organisation vor allem die Sponsoren beigetragen, Ich bin immer wieder begeistert, wieviele Unternehmen sich dazu bereit erklären, Räume zur Verfügung zu stellen oder Geld und Sachspenden. Deshalb gebührt mein Dank auch diesmal wieder den Sponsoren, die für Räume, Essen und Trinken sorgten, für die Ausgaben des t3n-Magazins oder der c’t.

5 Responses to “Ein Rückblick auf das Barcamp Hannover”

  1. macx sagt:

    Ja, wurde echt mal Zeit, dass wir uns persönlich mal treffen.

  2. Heiner sagt:

    Ich werde auch Barcamp-süchtig. Jedes Mal lerne ich wichtige Sachen. Ich lerne sogar in den Sessions die ich selber anbiete. Da beschäftigt man sich selbst nochmal anders mit dem Thema und noch wichtiger: andere Leute tragen genau zu meinem Thema ihre Sichtweise bei. Danke für den Review (Scrum/weblin).

  3. […] Jens Grochtdreis, den ich auch endlich einmal live und in Farbe in einer Session erleben konnte, mit einem ausführlichen Rückblick. […]

  4. Danke für den Bericht und schade, dass ich nicht da war. Aber wir kriegen das auch noch mal hin, mit dem persönlich kennen lernen 😉

  5. […] den Fotos und Videos seht Ihr Jens Grochtdreis, Eric Eggert, David Maciejewski und Dennis Frank. Die Vier haben uns mit Ihrer Session sehr […]