Hätten sie nur jemanden gefragt

Seit Mitte November hat die alte Tante F.A.Z. einen neuen Webauftritt. Achim Schaffrinna zieht in seinem Design-Tagebuch eine positive Bilanz der optischen Überarbeitung. In dieser Hinsicht muss ich ihm Recht geben, die F.A.Z. sieht nun endlich moderner und übersichtlicher aus.

Allerdings kann man auch hier, wie bei der Süddeutschen, der Hannoverschen Allgemeinen und noch anderen Zeitungen im Netz sagen: aussen hui, innen pfui! Die hinter faz.net steckenden Entwickler kamen auf die seltsame Idee, XHTML 1.1 auszugeben. Doch den damit verbundenen hohen Ansprüchen an Korrektheit des Quellcodes werden sie noch nicht einmal ansatzweise gerecht. Heute hat die Startseite 2292 Fehler! Der W3C-Validator hatte auch schon einmal über 2900 gefunden.
Tja, da kann man nur sagen: setzen, 6! Sowohl Agentur als auch Auftraggeber haben in Sachen Internet und Qualität noch eine Menge zu lernen.

Der eine oder andere wird sich fragen, warum ich die Entscheidung für XHTML 1.1 für seltsam halte. XHMTL 1.1 sollte man nicht als Textdatei, sondenr als XML-Datei ausliefern. Das kann aber der IE in keiner seiner Inkarnationen. Möchte man also nicht die Mehrheit der Surfer ausschließen, muß man entweder zwei Varianten mit Browserweiche zuweisen oder aber die Seite sinnwidrig doch als Textdatei ausliefern.
Zudem sind die Ansprüche an den Code bei XHTML 1.1 höher gesteckt, als in der Übergangsversion 1.0, sodaß gerade bei Code, der mittels CMS erzeugt wird, große Vorsicht geboten ist. Und mir scheint das CMS der große Problempunkt zu sein.
Ich sehe für die FAZ keinen Nutzen in der Wahl der DTD, nur Schaden. Aber selbst eine Validierung nach HTML 4 transitional fördert noch 830 Fehler hervor. Schade drum. Die F.A.Z. legt in ihrer Printausgabe immer großen Wert auf die intellektuelle und sprachliche Korrektheit, warum nicht auch im Netz? Da geht der Anspruch ja nicht einmal im Ansatz durch.

Hätten sie nur jemanden gefragt, der Ahnung von der Materie hat. Ich meine Verlag, wie auch Agentur.

2 Responses to “Hätten sie nur jemanden gefragt”

  1. Andreas sagt:

    Ja, das hatte ich „damals“ schon Designtagebuch gesehen. Und schon da war ich entsetzt. Ich muss gestehen, dass mir eine derartig hohe Fehlerzahl noch nicht untergekommen ist… 😀

  2. […] dazu gibt’s bei Jens Grochtdreis: „Hätten sie nur jemanden gefragt“ […]