15. Juni 2009

Gegen allzu kreative Auswüchse

Für Gerrit van Aaken grenzt es fast an eine Beleidigung, als Kreativer bezeichnet zu werden, angesichts der immer wieder hochgejuchzten „kreativen Websites“. Ich kann ihn da voll und ganz verstehen und danke Gerrit für einen famosen Artikel. Zwei Zitate des in Gänze sehr lesenswerten Artikels finde ich bemerkenswert, geben sie doch das wieder, was ich schon seit Jahren öffentlich und intern „predige“. Doch diesmal sagt es kein Entwickler, sondern ein Designer.

Die Website ist nicht für den Betreiber des Angebotes gemacht. Und auch nicht für die ausführende Agentur. Der User muss letztlich die Website bedienen. Und ich schreibe ganz bewusst „bedienen“, nicht „erkunden“, „spielen“ oder „erleben“. Und damit nähern wir uns dem Kern des großen Missverständnisses, das streng genommen schon seit Erfindung der Multimedia-CD-ROM existiert:

Der Anbieter will den User emotional beeindrucken. Der User aber scheißt auf emotionale Beeindruckung – er will schnell und einfach informiert werden.

So dogmatisch es klingen mag: Eine aufwändige äußere Form ist wertlos, wenn die dahinter liegenden Inhalte belanglos sind. Wenn die Inhalte hingegen hochinteressant sind, lenkt die äußere Form nur unnötig ab. Gute Inhalte brauchen keinen Affenzirkus zur Untermalung, sondern sind ihrer selbst Willen begehrt. Und wollen dann weiterverbreitet werden!

Danke, Gerrit. Du sprichst mir aus der Seele. Und es ist schön, diese Worte von einem Designer zu lesen, nicht von einem Entwickler. Ich kann also noch Hoffnung haben.

Der Deutsche Multimedia Award – eine Codekritik

In Berlin ist zum vierzehnten Mal der Deutsche Multimedia Award vergeben worden. In einem offiziellen Statement sprachen die Veranstalter davon, daß die Bewertungskriterien verschärft wurden. Deshalb wurden nicht in allen Kategorien Preise vergeben und auch nur vier goldene Preise.

Ein so bedeutender Award und verschärfte Bewertungskriterien erregen natürlich mein Interesse. Also schauen wir doch als Erstes auf die Bewertungskriterien und diejenigen, die sie anwenden.
Die angesprochenen Kriterien sind „Konzept und Strategie“, „Innovation“, „Design“, „Benutzeransprache und Usability“ sowie der „Gesamteindruck“. Die bewertenden Jororen sind durch die Bank weg Kreative, meist „Geschäftsführer Kreation“. Ein Blick auf den Code warf von den Juroren sicherlich niemand und ein Gedanke an Performance, oder einfach solides Entwicklerhandwerk war sicherlich auch außerhalb der Bewertung.

Wir haben es demnach mit einer Jury mit beschränkter Sichtweise zu tun. Die Preisträger sind also auf Grund einer netten Optik oder einer guten Nutzerführung zur Ehre gekommen, nicht weil sie solides Handwerk, eine pfiffige technische Lösung oder eine performante Anwendung repräsentieren würden.

Ich möchte den Blick der Juroren mit meiner eigenen, beschränkten Sichtweise ergänzen. Ich werfe nur kurz einen Blick unter die Haube und bewerte die handwerkliche Qualität der Webseite.
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