Real-Life Tagging

Heute morgen an der Bushaltestelle auf dem Weg zur Arbeit passierte mir etwas sehr Ungewöhnliches. Ich klappte gerade mein jQuery-Buch zu und wollte in den Bus steigen, da drang von hinten eine Stimme zu mir „Das muss Flocke sein!“. Ich war perplex. Ein nachgeschobenes „Wir kennen uns nicht!“ verstärkte meine Verblüffung.

Mein Gegenüber hatte aus der Tatsache, daß ich ein jQuery-Buch las und in Anbetracht der Buslinie auf dem Weg in die Speicherstraße war (Frankfurter SinnerSchrader-Niederlassung) auf meine Identität geschlossen. Er sei ein regelmäßiger Leser meiner delicious-Links und wohl auch des Blogs, denn er vermutete in meiner Tasche gleich meinen EeePC.

Was soll man dazu sagen? So transparent bin ich schon durch mein Geblogge und meine Links, daß dieses rudimentäre Persönlichkeitsprofil (man könnte auch Tags sagen) genügte, um jemand Fremdem meine Identität preiszugeben. Wohl gemerkt: ich habe kein Foto von mir auf meiner Webseite!
Man könnte ja fast Angst bekommen.

5 Responses to “Real-Life Tagging”

  1. nasumi sagt:

    Das wäre mir allerdings auch unheimlich! Wobei man das Foto sehr schnell bei XING finden kann.

  2. Ole sagt:

    Das spiegelt genau das wieder, was ich mit Sorge verfolge: Die zunehmende Transparenz des Bürgers. Wenn man mal bedenkt, daß 1981 bei der ersten anberaumten Volkszählung ein Aufschrei durch die Bevölkerung ging und die Befürchtung des „Gläsernen Bürgers“ laut wurde, ist das ja ein Witz im Gegensatz dazu, wie heute mit persönlichen Daten regelrecht um sich geschmissen wird! Und dann wundert man sich, warum man dauernd private Anrufe von irgendwelchen Callcentern bekommt…

    Klar, das ist der Lauf der Zeit (ich hab ja auch ein XING Profil), aber ab und zu würde es nicht schaden, wenn man mal reflektiert betrachtet, was man eigentlich von sich preis gibt…

  3. xwolf sagt:

    Ist denn die Transparenz schlecht, oder ist es eher schlecht, daß es Leute, Firmen oder Organisationen gibt, die diese Transparenz ausnutzen (könnten).

    Sehr oft wird doch diese Transperenz bekämpft oder verpönt, nur um zweites zu bekämpfen.
    Das erinnert mich etwas an den Grund warum es in islamischen Ländern das Kopftuch geben soll: Nicht etwa, weil man die Leute verbergen möchte, sondern weil man verhindern will, daß andere diese Offenheit missinterpretieren.

    Sollte man also nicht eher etwas gegen Personen, Firmen oder Organisationen tun (und dort streng sein und nicht so lasch!), die die Freiheit von Leute die Ihre Daten freigeben missbrauchen?

  4. Pepino sagt:

    Also mich würde das sehr ängstigen… immerhin scheint man über Dich viel herausbekommen zu können…

  5. Solange man selbst die Kontrolle darüber behält, welche Inhalte über einen gesammelt oder veröffentlicht werden, habe ich eher geringe Bedenken. Das setzt aber auch genügend Selbstkontrolle voraus, sich nicht in peinlichen Situationen ablichten zu lassen. Wenn ich mir manche Fotos bei flickr ansehe, ist sich „die Jugend von heute“ noch nicht so ganz bewußt, daß diese Fotos auch ihre zukünftigen Arbeitgeber sehen werden… 😉