Über den Tellerrand

Dieses Jahr habe ich durch einen Zufall an der Beyond Tellerrand teilnehmen können. Ich verpasse immer den ersten Schwung Karten und insgesamt ist mir die Planung zu früh für eine Konferenz, an der ich nur Teilnehmer bin. Doch diesmal musste jemand kurzfristig seine Karte loswerden, ich schlug zu.

Ich war in den vergangenen zehn Jahren auf vielen Konferenzen, nehme dort allerdings meist als Sprecher teil. Vor allem Barcamps hatten es mir eine Zeit lang angetan. In den letzten Jahren war ich meist auf Konferenzen wie den HTML5-Days oder der Webinale. Es handelt sich dabei um recht nüchterne Veranstaltungen, die sich an große Firmen und Agenturen richten. Der Fokus liegt hier entweder auf der Wissensvermittlung oder auf der Produktwerbung.

Ganz anders ist die Beyond Tellerrand konzipiert. Der Fokus liegt auf der Community und auf einem gewissen Wohlfühlfaktor. Deshalb sind Vorträge dort selten Basis für Wissensakkumulation, mehr für Erkenntnisgewinn und Inspiration. Oder einfach nur, um zu beeindrucken und zu unterhalten.

Als ich vor drei Jahren das erste Mal auf der Beyond Tellerrand war, irritierte mich das sehr. Selbst im Vergleich zu Barcamps waren mir die Inhalte einfach zu lau. Dieses Jahr kam ich ohne Erwartungen und freute mich nur darauf, alte Bekannte wieder zu treffen und neue Bekanntschaften zu machen. Ich war erfolgreich.

Es war schön, manchen Bekannten nach langen Jahren wieder zu sehen und Menschen, die ich von Mailaustausch oder Twitter kannte, endlich mal live zu sehen. Marc Thiele schafft es zudem immer wieder, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, die wohl einzigartig ist. Es gab das Veranstaltungslogo selbst auf dem größten Spiegel, die Vortragsankündigungen wurden als Filmplakate umgesetzt (die Veranstaltung findet in einem alten Kino statt). Diese und viele andere Kleinigkeiten machen die Veranstaltung rund, schaffen eine tolle Atmosphäre.

Unter den Vorträgen waren auch ein paar Highlights sowie ein paar immergute Evergreens. Chris Heilmann und Jeremy Keith haben für sie typische Vorträge gehalten. Rein formal nix Überraschendes, inhaltlich durchaus sehens- und bedenkenswert. Ich mag die weiten Bögen, die Jeremy immer zieht um nachher das zu transportieren, das ich auch schon seit vielen Jahren erzähle. Jeremys Video ist (noch?) nicht im Vimeo-Kanal von Beyond Tellerrand. Es ist aber prinzipiell der gleiche Vortrag, den er auf der Render 2017 gehalten hat.

Formal absolut beeindruckend, dazu toll erzählt und unterhaltsam war der Vortrag von Espen Brunborg: The Secret Life of Comedy. Er sezierte unterschiedliche Herangehensweisen an Design. Es war einer der Vorträge, bei dem ich mich mit meinen Überzeugungen (Vorurteilen?) am Stärksten auseinandersetzen musste. Auf alle Fälle hat er mich nachdenklich gemacht und das ohne erhobenen Zeigefinger in perfekter Präsentation. Wenn Du nur einen Vortrag schauen möchtest, dann sollte es dieser sein.

Auch Nadieh Bremers Vortrag über Visualisierungen von Daten mittels d3.js war sehr interessant. Es ging dabei nicht um die technische Umsetzung. Es ging darum, wie sie zu ihren Ergebnissen kommt. Sie stellte den kreativen Prozess als eine Abfolge von Versuchen dar, mit Hilfe derer sie sich dem Endergebnis näherte.

Patty Toland hingegen lieferte mehr einen Standard-Vortrag über Performance mit einem Haufen Eigenwerbung ab. Das war nett und durchaus interessant, weniger Eigenwerbung und überraschende neue Erkenntnisse wären netter gewesen. Ähnlich ging es mir mit Jina Anne, die über Styleguides sprach. Sie hatte schon vor Jahren das Thema beackert, als es noch niemanden interessierte. Umso trauriger war es, dass sie nichts wirklich Neues zu bieten hatte. Ich war sehr gespannt gerade auf diesen Vortrag, weil mich das Thema interessiert.

Interessant, sowohl für Designer als auch für Entwickler, ist Storytelling in JavaScript von Sarah Drasner. Auch hier geht es weniger um die technische Umsetzung, als um die Inspiration.

Insgesamt war die Veranstaltung wieder eine runde Sache für mich. Es gab einige gute oder sogar tolle Vorträge und vor allem gab es gute Gespräche in den Pausen. Diese sind übrigens immer groß dimensioniert – meist 30 Minuten. Das sollten sich andere Veranstalter zum Beispiel nehmen. Denn die Gespräche in den Pausen sind das Wichtigste bei solchen Veranstaltungen. Mal schauen, ob die Beyond Tellerrand auch nächstes Jahr in meinen Plan passt.

One Response to “Über den Tellerrand”

  1. Marc sagt:

    Danke für den Blogbeitrag. Freut mich, dass es gefallen hat.