Rezension: Feinbaum (und andere Geschichten)

Als Schüler entwickelte ich eine zeitlang eine Faszination für Kurzgeschichten. Meist waren es Kriminalgeschichten, oft auch Science Fiction. Aber die Grundform der Kurzgeschichte hatte es mir immer angetan. Nicht nur, weil die Autoren schneller zum Punkt kamen, als in Romanen. Sondern vor allem wegen des Schlusses. In der Schule lernte ich, dass Kurzgeschichten einen überraschenden Schluss haben sollten. Ich mag Überraschungen.

Vierzehn Kurzgeschichten mit teils wirklich sehr überraschenden Schlusspointen haben die beiden Jungautoren Andreas Dölling und Dirk Hesse geschrieben. Herausgekommen ist ein Buch namens „Feinbaum (und andere Geschichten)„. Alle Geschichten sind im Milieu der Webworker angesiedelt. Es kommen Agenturen vor und Freelancer, Hautpfiguren sind Designer oder Entwickler, auch Projektmanager.

Aber keine Angst: hier besiegen keine Frontendentwickler das Bootstrap-Monster oder Backendentwickler orchestrieren viele Java-Server zu einem furiosen Deployment. Unsere Arbeitswelt ist meist nur der Aufhänger für tiefergreifende Themen, für teils groteske, teils anrührende Geschichten.

Die Autoren sind selber Webworker. Ihr Vorwort legt nahe, dass ihr Berufsleben Inspiration für die Geschichten war. Bei den meisten Geschichten hoffe ich sehr, dass es nur eine kleine Inspiration war, die passend aufgeblasen und stark verändert wurde.

Thematisch und stilistisch bietet das kleine Büchlein eine große Bandbreite über die ich sehr erstaunt und erfreut war. Alle Geschichten werden mit ungewöhnlichen Zeichnungen von Stefanie Levers und Ralf Zeigermann eingeleitet.

An wenigen Stellen wünschte ich mir, ein Lektor hätte der Geschichte einen Schliff gegeben, vor allem in der ersten Geschichte. Aber im Großen und Ganzen sind die beiden Autoren echte Talente. Es macht Spaß, die Geschichten zu lesen. Ein herrliches Vergnügen, das viel zu schnell vorbeigeht, denn man will „nur noch eine Geschichte“ lesen. Es sind ja nur vierzehn.

Für Weihnachten und das eigene Bücherregal gibt es die Kurzgeschichtensammlung als gedrucktes Buch. Wer hingegen wie ich gerne auf Smartphone, Tablet und eReader liest, der bekommt auch eine elektronische Version. Zu einem unschlagbar günstigen Preis.

One Response to “Rezension: Feinbaum (und andere Geschichten)”

  1. Guido sagt:

    Ich kann mich dem nur anschließen. Irgendwie scheinen einem viele Situationen sehr vertraut und man man sitzt oft innerlich nickend vor dem Buch. Mich hat ebenfalls die Variationsbreite der Geschichten sehr angesprochen. Man kann kein Schema erkennen und man ist immer wieder überrascht. Ich finde: Das ideale Geschenk für Menschen aus der Web-Branche die schon alles haben (solch ein Buch haben sie mit Sicherheit noch nicht).