Rezension: CSS-Secrets

Lea Verou hat in den letzten Jahren immer wieder viel Aufmerksamkeit für ihre Vorträge bekommen. Auch ihre zahlreichen Tools sind beeindruckend. Aus ihren CSS-Secrets-Vorträgen hat sie nun ein Buch erstellt, das im April bei O’Reilly erscheinen soll. Bis zum 18. März gibt es das Buch in einer Preview-Version für 17 Dollar und damit für 50% des eigentlichen Preises. (Entgegen der Ankündigung in Leas Tweet schreibt O’Reilly nun auf der Seite, die Aktion ginge sogar bis zum 21. März!)

Da es sehr wenige CSS-Bücher für Profis gibt, war ich neugierig und habe mir ein Exemplar gekauft.

Das Buch ist in 8 Abschnitte unterteilt, die insgesamt 47 problemorientierte Kapitel beherbergen. Hinzu kommen noch einleitende Kapitel, in denen Lea über den Standardisierungsprozess des W3C berichtet oder Tips zum Schreiben von CSS gibt. Ein paar Beispiele für zu lösende Probleme:

  • halbtransparente Border
  • mehrere Border
  • gestreifte Hintergründe hinter Textzeilen (bspw. für Codebeispiele)
  • flexible Ellipsen und Parallelogramme
  • ein PIE-Chart mit CSS
  • Schatten nur auf einer Seite
  • umgeklappte oder ausgesparte Ecken
  • Checkboxen mit Grafiken ersetzen
  • vertikale Zentrierung
  • Sticky Footers
  • Animationen mit Bounce-Effekt

Das Buch soll kein „Cookbook“ sein, auf eine bestimmte Art und Weise ist es das aber doch. Jedes Kapitel beginnt mit einer Problemstellung, diese wird dann im Laufe des Kapitels gelöst. Sehr gut finde ich, dass Lea Verou sehr oft unterschiedliche Lösungswege aufzeigt, ihre Vor- und Nachteile beschreibt. Da die Aufgabenstellungen selten klar und einfach durch eine Eigenschaft zu lösen sind, ist kreatives Denken gefragt. Sie fördert das durch ihre Problemlösungsstrategien.

Diese kreativen Strategien sind der erste und wichtigste Lernerfolg, den ich für Leser des Buches sehe. Natürlich sind auch die Lösungen oft interessant, manchmal verblüffend. Allerdings fordern sie in meinen Augen auch eine gewisse Disziplin beim Leser, die die Autorin bewusst vermissen lässt.

Zwar taucht hin und wieder ein Hinweis auf schlechte Browserunterstützung auf. Aber der Normalfall für alle Techniken ist, dass der IE 8 und oft auch der IE 9 (manchmal auch der IE 10) nichts mit der Lösung anfangen können. Bei mindestens einer Technik verweigert sich Chrome komplett. In solchen Fällen ist möglicherweise Einfallsreichtum für eine Alternative gefragt.

Es ist okay, dass die Autorin sich nicht um diese Browser kümmert, sondern interessante Lösungsvorschläge aufzeigt. Der Leser sollte sich aber nicht in der trügerischen Leichtigkeit des Textes verlieren und denken, die gezeigte Lösung würde ausreichen.

Angesichts der Langlebigkeit der IE-Browser (und mancher Firefox-Versionen in Firmennetzwerken) wäre ein Zusatzkapitel über den Umgang mit alten Browsern, Progressive Enhacement, Graceful Degredation, Polyfills u.ä. sehr angebracht gewesen. Es wäre hilfreicher gewesen, als das Kapitel über das W3C.

Für die Suche nach einer Alternativlösung ist sicherlich sehr hilfreich, dass es alle Lösungen auch als Beispiel in Lea Verous „dabblet“ zu testen gibt. So lassen sich am konkreten Code im betroffenen Browser Alternativen austesten.

Das Buch ist sehr schön gestaltet, der Text ist gut geschrieben. Nicht so ausschweifend schwafelnd, wie manche Amis das gerne tun. Die meisten der Kapitel waren für mich interessant, und das obwohl meine Kunden eher keine ausgefallenen Designs bekommen. Ich finde das Buch auf alle Fälle sehr empfehlenswert, auch wenn man sich sicherlich die meisten der Lösungen nie benötigen wird. Aber wer nutzt schon 100% eines PHP- oder JavaScript-Buches? Der auf 50% reduzierte Preis bis zum 18. März sollte die letzten Zweifel beseitigen. Für diesen Preis bekommt man sonst kein Buch dieser inhaltlichen und gestalterischen Qualität. Ich bin mal gespannt, ob man als Käufer der Vorversion auch die das fertige E-Book bekommt.

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