Rezension: Webdesign – Das Handbuch zur Webgestaltung

Seit Kurzem existiert „Webdesign: Das Handbuch zur Webgestaltung“ von Martin Hahn. Es handelt sich dabei um ein mehr als 2kg schweres, sehr schön designtes Konvolut aus dem Rheinwerk-Verlag (ehemals Galileo Verlag). Da dort auch „Modernes Webdesign“ von Manuela Hoffmann erschienen ist, vermutete ich zuerst eine inhaltlich ähnliche Ausrichtung. Doch weit gefehlt.

Hahns Buch ist auf keinen Fall ein Buch, mit dem man Schritt für Schritt das Design – und möglichst auch die Auszeichnung – einer Webseite lernt. Dieser Aspekt kommt nur am Rande vor. Das Buch ist vielmehr ein sehr gut informierter Rundumschlag um alle Aspekte, die bei der Erstellung eines guten Frontends wichtig sind. Der Schreibtstil ist dabei sehr flüssig. Ich habe gerne drin gelesen. Die immer wieder am Rand stehenden Verweise auf weiterführende Links – die Verlagslektoren lieben diese Marginalien – machen Lust aufs Surfen und auf die Vertiefung der Themen.

Das Buch ist in 16 Kapitel unterteilt. Es führt in die „Prinzipien des modernen Webdesigns“ ein, geht über Projektmanagement, „Konzeption und Strategie“ zu Responsive Webdesign und Informationsarchitektur und landet zum Schluss bei Animationen und Webseitentypen. Dazwischen geht es um „Layout und Raster“, Screendesign, Farbe, Typographie, Navigationen, Webdesignstile und -trends.

Dabei wird sehr wenig Code benutzt, konkrete Arbeitsaufgaben und Tutorials sucht man vergeblich. Aber das ist nicht schlimm, denn die Stärke dieses Buches ist es, komplexe Zusammenhänge kompakt darzustellen und sie zusätzlich noch mit weiterführenden Links zu unterfüttern. So lernen alle etwas, egal ob Laie, Fortgeschrittener oder Profi.

Das Buch profitiert eindeutig davon, dass Hahn Webdesign-Showcases sammelt und so aus einem riesigen Fundus an guten und schlechten Beispielen schöpfen kann. Screenshots tümmeln sich zu Hauf im Buch und verdeutlichen so auch ohne Internetzugang den Sinn der Kapitel.

Das Buch ist für sehr viele Zielgruppen geeignet. Entscheidungsträgern in Firmen und Agenturen lege ich die ersten fünf Kapitel (knappe 200 Seiten) ans Herz. Sie können dabei helfen, die Anzahl der Fehlentscheidungen zu reduzieren. Diese Kapitel könnten prima als eigenes Buch ausgegliedert werden.

Anfänger, die sich konkrete Schulungsmaterialien erhoffen, sollten zu einem anderen Buch greifen. Wer aber einen großen Rundumblick zum Thema Webdesign und Webentwicklung sucht, ist hier genau richtig. Die Quellenvielfalt ist überwältigend, die Themenvielfalt enorm.

Allerdings wünsche ich mir vom Rheinwerk-Verlag, dass er solche Bücher demnächst im Schuber in kleineren Häppchen herausbringt. Es ist nicht möglich, dieses Buch entspannt im Sessel zu lesen, da es zu schwer (über 2kg) und zu unhandlich (fast 800 Seiten) ist. In vier handliche Bücher im Schuber unterteilt könnte man es besser lesen. Jedem interessierten Käufer empfehle ich deshalb, beim Verlag das e-book zu kaufen. Es ist nicht nur 5 Euro billiger, es wiegt auch nichts. Ein Tablet ist in jedem Fall angenehmer zu halten, als dieses Buch.

3 Responses to “Rezension: Webdesign – Das Handbuch zur Webgestaltung”

  1. Danke für die Rezension. Wird mit dem Kauf des gedruckten Buchs denn nicht mehr die E-Book-Variante mit erworben?

    • Leider ist dieser Komfort ziemlich schnell eingestellt worden. Für gedrucktes Buch und e-book gelten unterschiedliche Steuersätze. Die offizielle Begründung ist, dass die Kassensysteme der Buchhändler (und wohl auch die e-commerce-Systeme) zu blöd sind, das zu handhaben. Schade drum. Ich hätte das Buch gerne als e-book. Gedruckt hilft es mir wenig.

  2. Das ist wirklich schade, denn ich genieße den „Luxus“ der E-Book-Varianten von Rheinwerk (ehemals Galileo) gekauften Bücher, die dort nach Registrierung im Kundenbereich, zum download bereit stehen/standen. Beide Varianten kaufe ich nicht, aber ich bin bei einigen Büchern dazu übergegangen, sie als E-Book zu kaufen, z.B. die von ABookApart, wobei die Preise je nach Anbeiter STARK variieren können.