Un-normaler Webmontag in Frankfurt

Auf dem gestrigen Webmontag in Frankfurt habe ich nach längerer Pause mal wieder einen Vortrag gehalten. Jan Eggers hatte die prima Idee, ich sollte etwas über Responsive Webdesign und Barrierefreiheit erzählen. Denn das allesüberspannende Thema des Webmontages war „Un:normal“.

Der Webmontag wurde sehr interessant und launig von Sven Michels moderiert. Zum Einstieg führte uns Johannes Wunderer in Barrierefreiheit auf und mit Smartphones ein. Er gab einen breiten Überblick und kam mit seinem Lampenfieber ganz gut zurecht.

Es folgte Enno Park, der uns mit Cyborgs konfrontierte. Enno kann dank eines Cochleaimplantats hören, ist sonst gehörlos. Ich fand seine Aufzählungen, welche Verbesserungen und Erweiterungen es für unseren Körper so gibt – und wie man diese teilweise hacken könnte – sehr interessant. Enno denkt über den rein medizinischen Nutzen hinaus, möchte die Technik kreativ nutzen. Und er gab uns ein paar Szenarien, wie soziale und politische Implikationen aus technischen Hilfen im und am Körper erwachsen können. Ein sehr interessanter Vortrag. Wir hätten anfangs drauf eingestimmt werden sollen, dass er eine halbe Stunde dauern würde. Ich bin einfach an das 15-Minuten-Format gewöhnt.

In der Pause kochte Jan Eggers mit einer Kaffemaschine Essen. Es wurde ein Gericht aus Lachs, Brokkoli, Pilzen und chinesischen Instant-Nudeln zubereitet. Eine verrückte Idee, die aufging.

Nach der Pause war ich an der Reihe. Leider hing sich der Mac auf, kaum dass ich am Pult stand. Es dauerte ein paar Minuten, dann war wieder alles okay, der Livestream bekam auch etwas mit und ich konnte loslegen. Ich merke immer wieder, dass mich feste Redepositionen irritieren. In meiner eigenen Wahrnehmung war das gestern eine meiner schlechteren Perfomances, weil mich diese feste Position so irritiert. Normalerweise bewege ich mich (elfengleich 🙂 ) auf der Bühne.

In meinem Vortrag gehe ich von einer einfachen Prämisse aus: Jeder Seitenbetreiber sollte als Ziel haben, dass möglichst viele Menschen sein Angebot konsumieren und darüber möglichst in Kontakt treten. Das kann bis zu Käufen gehen.

Responsive Webdesign und Barrierefreiheit sind schlicht Begriffe für Ansätze, dies zu gewährleisten. Es sollen Hürden aus dem Weg geräumt werden, am Besten nie aufgebaut werden. Hürden die einen einfachen Konsum eines Angebots verhindern würden.

Ich weise darauf hin, dass es viele unterschiedliche Hürden gibt. Ich weise auch darauf hin, dass wir nicht wissen, welche Hürden in der nahen Zukunft auf uns warten werden. Und ich weise darauf hin, dass auch noch heute die Basics nicht gekannt und umgesetzt werden. Fünfzehn Minuten reichen nicht für Details aus, deshalb habe ich beispielhaft Alt-Texte für Fotos der Startseiten der Süddeutschen und der FAZ vom Sonntag genommmen. Alle Texte waren daneben. Aus dem Publikum kam der erwartete Standard-Einwand: „Das war das CMS!“ Das hört sich für mich an wie: „Der Pumuckl war’s!“ Denn das CMS wird bedient und programmiert von Menschen. Also waren es am Ende Menschen. Die haben eine Entscheidung getroffen. Und ich meine, diese Entscheidung war grundfalsch.

Nach mir schloss Chris Boos mit einer sehr interessanten, persönlichen Geschichte den Webmontag ab. Er berichtete, wie er sich als Albino gegen Vorurteile und Entmutigungen durchsetzen und seinen eigenen Weg gehen musste. Mir war gar nicht klar, welche Einschränkungen ein Albino im Sehen hat. Umso beeindruckender, was Chris aus seinem Leben gemacht hat.

Eindrücke dieses wirklich sehr interessanten und facettenreichen Webmontags gibt es auch in einem Storify von Nicole Lücking. In Kürze werden sicherlich auch die Videoaufnahmen der Vorträge auf dem Youtube-Kanal veröffentlicht.

One Response to “Un-normaler Webmontag in Frankfurt”

  1. {andreas} sagt:

    Gerade mal bei der faz geschaut – dort sind größtenteils alt- und title-Attribute mit gleichem Inhalt vorhanden – _das_ könnte definitiv vom CMS verbrochen worden sein. Ein Feld für den alt-Text, der gleichzeitig als title-text verbraten wird.
    Man will die Redakteure ja nicht mit noch mehr Eingabefelder überfordern (und dann noch mit welchen, deren Text man noch nicht einmal (direkt) sieht).