Rezension: Pocket Guides von Five Simple Steps

Der kleine Verlag „Five Simple Steps“ veröffentlicht seit Anfang des Jahres besondere E-Books zu einem höchst attraktiven Preis. Die „Pocket Guides“ hätten gedruckt vielleicht A6 als Format und haben weniger als 100 Seiten Umfang.

Der geringe Umfang ist Konzept: die Autoren fokussieren sich auf ein inhaltlich begrenztes Spezialthema. Das macht das Schreiben schneller, aber auch das Lesen. Und der Preis ist unschlagbar: ein Büchlein kostet 2 Pfund (ca. 2,30 Euro). Man kann auch Bundles von vier Büchlein erwerben, diese kosten dann zusammen 6 Pfund. Die E-Books kommen in den Formaten PDF, epub und mobi.

Von den mittlerweile 12 Büchlein habe ich vier erworben: eines über Farbfehlsichtigkeit, eines über Symbolfonts, eines über CSS-Animationen und eines über CSS-Layoutmodule. All das sind Themen, die entweder zu aktuell für eine vernünftige Bearbeitung in einem Buch sind, oder wo mir nur wenige Infos bislang vorlagen. Ich könnte zwar meine sehr umfangreiche Linksammlung bei Pinboard nutzen, trotzdem finde ich es angenehm, wenn mir jemand ein Thema als umfangreicheren Text aufbereitet.

Büchlein über Farbfehlsichtigkeit

Der Pocket Guide to Colour Accessibility von Geri Coady ist ein kleines Juwel. Farbfehlsichtigkeit ist ein extremes Nischenthema, das in meiner bisherigen Praxis nie beachtet wurde. Es fehlten die verständlichen Hintergrundinfos und meist natürlich auch das Problembewußtsein.

Coady erklärt die biologischen Hintergründe von Farbfehlischtigkeit, spricht die vielen Varianten an und gibt viele Beispiele, wie sich normale Wahrnehmung von den unterschiedlichen Spielarten der Farbfehlsichtigkeit unterscheiden kann. Sie geht auch auf Testverfahren ein.

Auch ein Überblick über Farbtheorie und Farbmodelle darf nicht fehlen. Der Schreibstil ist sehr angenehm, niemals belehrend und mahnend. Sehr hilfreich und interessant sind ihre Praxisbeispiele. Sie beschreibt, wie man bei Shops und bei Diagrammen mit Farben umgehen sollte. Der Blick wird dabei aufs Detail gerichtet. Mir gingen bei der Lektüre so einige Lichter auf.

Farbfehlsichtigkeit wird immer unter dem Label „Barrierefreiheit“ behandelt und ist für viele damit nicht mehr interessant. Das ist kurzsichtig gedacht. Wie bei Barrierefreiheit generell geht es doch um die Frage, ob man gerne 100% der Nutzer erreichen möchte, oder einen Prozentsatz ausschliessen will. Kann man es sich leisten?

Etwa 10% aller Männer sind farbfehlsichtig (Frauen sind fast gar nicht betroffen). Es lohnt sich also, ein wenig über Farbkombinationen nachzudenken. Das Buch hilft dabei. Es ist sehr angenehm und vor allem schnell zu lesen. Es gibt keinen nutzlosen inhaltlichen Ballast. Ich kann es jedem Designer und interessierten Entwickler nur wärmstens ans Herz legen.

Neue CSS-Layoutmodule

Rachel Andrew beschreibt auf 75 Seiten viele neue Layoutmodule, die im Prozess der Standardisierung sind. Nicht alle sind aktuell schon problemlos nutzbar. Sie erklärt uns mehrspaltiges Layout (multicolumn), Flexbox, CSS Grids, CSS Regions und CSS Exclusions. Allesamt sehr interessante Konzepte.

Alle Layoutmodule werden mit verlinkten Beispielen untermauert. So kann man mit ihnen im Browser experimentieren und den Quellcode schnell kopieren.

Das Buch ist informativ und schnell durchgelesen. Es ist zudem eine prima Referenz für etwaige eigene Experimente. Da sich mittlerweile bei den CSS Grids die Spezifikation wohl geändert hat, veröffentlichte Rachel im April in ihrem Blog ein längeres Update , das man als Ergänzung zum Buch lesen kann.

Symbolschriften selber erstellen

Creating symbol fonts von Brian Suda habe ich mir gekauft, weil es sein könnte, dass ich in naher Zukunft in Berührung mit diesem Thema kommen könnte.

Ich habe kein besonders ausgeprägtes Interesse an Typographie, obwohl ich schon auf ein schönes und harmonisches Schriftbild stehe. Jedoch ist das Thema so speziell, dass ich mir dachte, ein Erwerb des Büchleins können nicht schaden. In diesem Sinne empfehle ich auch den Kauf, denn es handelt sich um eine selten beleuchtetes Spezialthema. Ich denke aber, dass wir in wenigen Jahren wie selbstverständlich eigene Symbolfonts erstellen werden, weil sie einfach bei mobilen Endgeräten und damit im Rahmen responsiver Projekte so praktisch sind.

CSS Animations

„CSS Animations“ von Val Head habe ich noch nicht gelesen, wie ich eben gerade feststellen musste. Das Büchlein betrachtet alle einzelnen Eigenschaften, die man nutzen kann, um mittels CSS Elemente zu animieren.

Ein erster flüchtiger Überblick zeigt, dass wenige Beispiele zum Nachvollziehen existieren, aber viel Theorie skizziert wird. Zudem gibt es massenweise weiterführende Links. Auf alle Fälle ist es eine knappe, konzentrierte und unschlagbar günstige Einführung in das Thema.

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