Wir brauchen einen neuen Workflow

Gestern Abend habe ich auf dem Frankfurter Webmontag einen Vortrag gehalten, in dem ich einen neuen Workflow für die Erstellung von Webseiten fordere.

Die getrennte Arbeit von Designern und Frontendentwicklern geht an der Realität vorbei. Heute müssen sich Webseiten ihrer Umgebung noch stärker anpassen, als sie es grundsätzlich sollten. Das erzeugt technische und designerische Probleme. Beide sollten zusammen gelöst werden.

Ich bin mir in der kompletten Ausgestaltung für Agenturen und für Freelancer(netzwerke) noch nicht komplett sicher. Ich hoffe dabei einen Schritt auf dem kommenden Barcamp Rhein-Main in Wiesbaden zu kommen. Doch ein genauer Plan ist in meinen Augen weniger wichtig, als die grundsätzliche Idee und Bereitschaft.

In einem Tweet wurde ich darauf hingewiesen, dass ich im Prinzip von Scrum spreche. Leider habe ich in keinem agilen Projekt bislang genau das erlebt, was mit vorschwebt. Denn der Grundfehler, die Abstimmung mit dem Kunden anhand von Bildchen (Photoshop-Layouts), war schon geschehen. Im Grunde ist es mir auch egal, wie das Kind genannt wird, Hauptsache der Workflow wird gelebt.

Auf dem Webmontag in Mannheim (03. Dezember) werde ich diesen Vortrag wiederholen, sicher mit ein paar neuen Ideen und leichten Veränderungen. Es soll wie immer eine Aufnahme der Webmontags-Vorträge geben. Ich sage Bescheid, wenn mein Vortrag erreichbar ist. Die Slides sind über Slideshare und Speakerdeck herunterzuladen.

6 Responses to “Wir brauchen einen neuen Workflow”

  1. Zaphod sagt:

    Danke! Zumindest von den Slides her hätte mir der Vortrag sehr gut gefallen, insbesondere gegen die Unsitte der Pixellayouts aus Photoshop-Slides …

  2. Er spricht mir aus der Seele … endlich mal jemand, der das Kind beim Namen nennt.

  3. sascha fuchs sagt:

    Da stimme ich dir zu, die herkömmliche Workflow passt nicht mehr an die heutigen Gegebenheiten des Webs. Ob er damals auch nicht gepasst hat, lässt sich definitiv nicht klar sagen, den damals als man eigentlich nur für den Desktop Webseiten erstellt hat ist es keinem wirklich aufgefallen.

    Ich persönlich vertrete schon ewig die Meinung das Web ist kein Blatt Papier das es zu bedrucken gilt, das Ausgabemedium ist flexibel und es ist eigentlich unfair immer nur Webseiten für die Mehrheit zu erstellen, während andere schlichtweg in die Röhre gucken weil sie nicht dem „Standard“ entsprechen. Das Web ist einfach kein DIN A4 Blatt Papier das es zu bedrucken gilt, es ist „lebendig“ und dynamisch.

    Heute ist es mittlerweile so das einem Screendesigner immer öfter zur Weisglut treiben. Die Designs sind toll wenn man sie druckt oder in Flash portieren soll, aber für das Web eben nicht. Alleine dieses Pixelgenaue Design ist grausig, dann geht es weiter das die Elemente so definiert sind das es sich schlecht als Template umsetzten lässt und wenn es Responsive wird steigen die meisten Screendesigner mental aus.

    Der Mehraufwand den man heute mittlerweile betreibt ist immens, Screendesigner basteln ein Design zurecht, stehen direkt mit dem Kunden im Kontakt. Der segnet den Kram irgendwann ab und der Frontenddeveloper. Dabei will der Kunde eigentlich lieber einen Klickdummy oder ein Mockup haben, weil er sich mit Screenshots wenig vorstellen kann.

    Es gibt heute schon Ansätze, aber anstatt alles auf ein Minimum herunterzubrechen um möglichst früh mit der Frontendarbeit zu beginnen die die eigentlichen Resultate bringt, bleibt man immer noch beim alten Weg. Der Frontenddeveloper darf es am Ende ausbügeln.

  4. Daniel Haus sagt:

    Entwicklung und Design sind nicht trennbar („Design is how it works“), deswegen muss von Anfang an zwischen Gestalter und Entwickler intensiv kommuniziert werden. Jeder von beiden muss im Groben verstehen, was der andere tut. Zur Not erklärt man eben mal ein paar Minuten.

    Das Problem, das ich häufiger sehe ist, dass einige Designer gestalten wie Entwickler und einige Programmierer entwickeln wie Gestalter. Lerne, übernimm Verantwortung und sei hart und ehrlich zu jedem, vor allem zu Dir selbst.

    Mit von außen fest vorgegebenen Workflows lässt sich da wenig retten, die machen alles nur noch schwieriger. Such Dir gute Leute und sei bereit zu lernen, auch über Dein Fachgebiet hinaus.

  5. Peter sagt:

    Bei einem Vortrag der xxdesigner hatte ich die Frage gestellt, ob sich das Layout/Design, welches sich ausschließlich an Marketing-Aspekten orientierte, auch gut linearisierbar gestalten lasse.

    Der Begriff ‚Linearisierung‘ war unbekannt…

    Die Zusammenführung von Kernkompetenzen – Design, Marketing, a11y, Usability, Programmmierung etc. – ist nötiger den je.

    Die Antwort auf die Frage, warum das nicht geschieht, ist schwierig zu beantworten. Ich vermute:
    Man möchte ungern zugeben, dass andere Kollegen auf ihrem Gebiet vielleicht besser sind und man durch Aufteilung der zu erledigenden Arbeiten Umsatzeinbußen hat.

    Wenn aber jeder Entwickler (nur) das macht, was er richtig gut kann, bekommt der Auftraggeber auch ein qualitativ besseres Produkt.
    Zudem sollte es schneller gehen, weil Fehlentwicklungen von vornherein vermieden oder minimiert werden können.

    Wie weit wir davon entfernt sind – wer weiß…

  6. Nils Pooker sagt:

    Das Problem ist vielschichtig, aber nicht neu. Einiges hast du in den Folien thematisiert, beispielsweise Photoshop als ungeeignetes Tool für modernes Screen-/Webdesign.
    Die größten Probleme treten ja schon anhand der Wünsche und Anforderungen des Kunden auf: Der Frontendler erhält von einer Agentur oder einem (Print-)Designer ein fertiges und in fixer Breite angelegtes Screendesign, das genau den Wünschen und Anforderungen des Kunden entspricht, unter Einhaltung des CD inklusive Schriften, Farben, Logo, Imagegrafiken, usw.
    Von Arbeitsteilung also keine Spur; es ist vielmehr ein zeitlich versetzter, linearer Arbeitsablauf: Projektanforderung » Design » Frontend » Backend. Auch die Integration eines sauber codierten Templates in ein CMS kann Probleme generieren, beispielsweise in Hinblick auf eine möglichst effektive Pflege der redaktionellen Inhalte.

    Leider, und das ist immer wieder das größte Hindernis, wird die Projektanforderung von allen Beteiligten völlig unterschiedlich interpretiert. Der Kunde sieht das als Marketing: „Look and feel“, SEO, Investitionskosten, Pflegbarkeit der Inhalte. Der Designer betrachtet nur die Gestaltungsaspekte, der Frontendler die Umsetzung und der Backendler die CMS-Integration. Das sich daraus entwickelnde Durschwursteln führte solange noch zu akzeptablen Ergebnissen, so lange zumindest eine Konstante als Fels in der Projektbrandung diente, und das war und ist immer der grobe Aufbau des Screendesigns, da sich die Art und Weise der Nutzung einer Website stets an den gemeinsamen Nenner einer klar identifizierbaren Ausgabe orientieren konnte. Selbst ein „so geht das nicht“ von Kunde, Front- oder Backendler führte in letzter Konsequenz nur dazu, dass das Screendesign in den entsprechenden Bereichen oder Darstellungsaspekten angepasst wurde – angepasst, ohne jedoch die grundsätzliche Darstellung in Frage zu stellen.

    Der „klassische“ Workflow sollte aber schon immer einer Arbeitsteilung entsprechen, die zunächst von den inhaltlichen(!) Anforderungen ausgeht, aus denen ein Wireframe entwickelt wird, das nunmehr den Anforderungen von Ausgabemedien genügen muss, die bezüglich Hardware und Software nicht mehr eindeutig identifizierbar ist. Jetzt ist es lediglich so, dass sich das unprofessionelle Durchwursteln weitaus mehr rächt, als wir es bisher schon mit den leidigen Lorem-Ipsum-Texten hatten, die ja ebenfalls nichts mit der tatsächlichen Textausgabe zu tun hatten und haben.

    Was sich meiner Meinung nach ändern muss, ist die Herangehensweise an ein Projekt. Das ist aber vergleichbar mit dem Ruf nach immer strengeren Gesetzen: es reicht schon, wenn wir uns einfach nur streng an die Einhaltung erfolgreicher Gesetzmäßigkeiten halten und lediglich an den Stellen den Workflow ändern, an denen es notwendig ist. Würde sich der gestaltungsverliebter Screendesigner tatsächlich dazu überreden lassen, ein langweiliges Wireframe zu erstellen, sollte der Frontendler beispielsweise die Darstellung auf Tablet-PCs und auf Smartphones verlangen.
    BTW: den Kunden, der mit seinem fertigen Photoshop-Elements-Design antanzt, würde man auch fragen, wie die horizontale Navigation und die sechsspaltige Datentabelle denn auf dem iPhone oder Nexus aussehen soll, da ist dann auch ganz schnell Ruhe im Karton.

    Das heißt: wir reden zwar alle über „mobile first“ und „responsive“, aber solange wir kreativen Kunden, Screendesignern und Agenturen nicht klarmachen, dass es heute anders – und zwar effektiv – ablaufen muss, ändert sich nichts. Klare Ansage ist also wichtiger denn je.