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Armutszeugnis des deutschen Journalismus

In meiner Twitter-Timeline lese ich spätestens seit gestern ständig Kommentare zu den Aufständen in Ägypten. Die meisten referieren auf den arabischen Nachrichtensender Al Jazeera. Das deutsche Fernsehen plätschert hingegen weiter mit US-Filmen, US-Fernsehserien, Kochsendungen und Wintersport vor sich hin.

Im Nahen Osten brennt die Hütte und in Deutschland interessiert sich wohl niemand dafür. Gestern Abend las ich dann in Zeit.de, FAZ.net und der Onlineausgabe der Frankfurter Rundschau über die Proteste nach. In meinem Twitter-Stream wurde da gerade das Gerücht gestreut, Mubarak wäre geflohen.

Bei der Zeit und der FAZ bekam man zwar den Eindruck, in Ägypten würde etwas Ungewöhnliches abgehen, es sei aber alles nur halb so schlimm. Hielt man dann den Artikel der FR dagegen konnte man den Eindruck gewinnen, der Gegenstand sei ein anderes Land.

In den letzten Wochen gab es fast täglich Sondersendungen im deutschen TV wegen des Winterwetters. Man faßte nicht, daß es mal schneien konnte. Aktuell steht eine zweite Revolution in Nordafrika an und keinen interessiert es. Vielleicht, weil es da nicht schneit?

Es gäbe viel zu berichten und einzuordnen. Schließlich haben die USA und alle mit ihr verbündeten Länder die letzten Jahrzehnte alles getan, um das Mubarak-Regime am Leben zu halten. Obama und Hillary Clinton eiern in ihren Statements herum und unsere veröffentlichte Meinung spricht lieber von einem „autoritären“ Regime als klar von einer Diktatur. Unsere politische Elite hat sicher Angst vor den Auswirkungen auf Israel.

Das sind alles Themen, die behandelt und durchdacht werden müßten. Ich dachte, die öffentlich-rechtlichen Sender hätten separate Infosender. Wo ist die 24-stündige Bearbeitung der Revolutionen in Ägypten und Tunesien in Phoenix und den anderen Sendern?

Es ist traurig, den aktuellen Zustand des deutschen Journalismus zu betrachten.

49 Responses to “Armutszeugnis des deutschen Journalismus”

  1. PickiHH sagt:

    Dem kann ich mich nur vollkommen anschliessen.
    Es gibt einfach keinen deutschen Nachrichtensender, der diesen Namen verdient hätte.
    Gestern nachmittag während sich die Proteste zuspitzten, lief auf n24.de das Format „sonnenklar.tv“. Wahrscheinlich wurde auch eine Kreuzfahrt mit Ausflug nach Cairo angeboten.
    Ich bin bestimmt kein Befürworter von Sensatitonsjournalismus, aber von einem Nachrichtensender erwarte ich eine volle Coverage von weltpolitisch relevanten Krisensituationen.

  2. Domingos sagt:

    Sehe ich genau so. Ich habe schon lange keinen Fernseher mehr, aber wenn ich mal so mitbekomme, was da so läuft, bereue ich das auch nicht. Das Schlimme ist, dass wir für die ÖR sogar Geld bezahlen und sie ihrem Informationsauftrag einfach nicht gerecht werden.

  3. Anonym sagt:

    Du beklagst Dich über die Qualität des deutschen Journalismus, der nicht ganz so intensiv wie die arabischen Medien über Ereignisse in Arabien berichtet? Du beklagst Dich über die Qualität des deutschen Journalismus, der im Gegensatz zu Deinen Twitter-Kontakten nicht über die Flucht Mubaraks – die gar nicht stattgefunden hat – berichtet hat?

    Ich habe mich in deutschen Medien zu Genüge über die Ereignisse in Ägypten informiert.

    Für eine ständige Live-Coverage aller belanglosen Gerüchte aus Ägypten, die mal stimmen und mal nicht, gibt es doch Twitter. Das ist auch wirklich nicht Aufgabe von Journalismus.

  4. Ralf sagt:

    Das politische Interessen hinter „mangelnder“ Berichterstattung stecken, ist verständlich und nachvollziehbar. Irgendwo will man ja nicht der Sender oder die Zeitung sein die durch falsche Gerüchte Öl ins Feuer gießt. Gerade bei Ländern aus dem Nahen Osten ist man bei der Berichterstattung doch um einiges vorsichtiger als bei anderen Ländern.

    ich befürchte aber das auch handfeste wirtschaftliche Interessen dahinter stecken. Ägypten ist schließlich kein unbedeutendes Urlaubsziel. Bei negativer Berichterstattung würde man mit Sicherheit mit nicht unerheblichen Einbußen rechnen müssen weil Werbekunden aus der Tourismusbranche abspringen.
    Bevor man also Panik schürt, hält man lieber die Klappe. So ist das nun einmal in einer durch Werbung finanzierten Medienwirtschaft.

  5. Sebastian Michaelsen sagt:

    @anonym: Würde mich wirklich interessieren wo du dich in den deutschen Mainstream Medien ausreichend über Ägypten informiert hast. Durch den Newsticker der während der Doku über Wildschweinjagd auf N24 läuft?
    Du sagt vielleicht: Neeeein, N24 ist ja auch Müll. Richtig, aber was ist denn bitte brauchbar in Deutschland?

  6. Peter sagt:

    Das Spannende hieran ist eigentlich etwas anderes. In diesem konkreten Fall fällt uns das massive Versagen der Journalisten auf, aber wie oft fällt uns vielleicht ein derartiges Versagen nicht auf und was entgeht uns dann?

  7. Steven sagt:

    Politische Krise, Euro im Abwärtstrend, Bundeswehr-Skandale, Tote-Pornodarsteller und du willst dem deutschem Michel noch darüber aufklären, das der Urlaub in Nordafrika bald doppelt so teuer wird?

    Sag mal willst du in diesem Land eine Revolution anzetteln? – Bedenke was passieren kann, wenn ein Deutscher sieht, wie schnell eine Revolution vollzogen ist 😉

    … aber mal im Ernst, mach es wie ich, nimm deinen Fernseher und benutze Ihn besser als Monitor oder Tischplatte, als damit deutsches TV zu sehen. Die Mediengestaltung (öffentlich rechtlich mal ausgeklammert) in diesem Land ist inzwischen so am Ende, wie in keinem anderen Land des Erdenrund. Mich wundert es, dass überhaupt noch jemand TV sieht, es sei denn desjenigen natürliche Festplatte ist inzwischen durch das TV-Angebot komplett formatiert worden…

  8. […] F-LOG-GE beschwert sich über den deutschen Journalismus. Ehrlich, das haben wir alle schon getan. Zur Mittags-Online-Lektüre auf Arbeit, zum Frühstück oder oder oder. Aber ohne etwas vor den Mund zu nehmen, es nervt! Ich bin kein Journalist und ich habe auch nicht vor einer zu werden. In Ägypten, einem beliebten deutschen Reiseland, sind Unruhen, in Jemen und in Tunesien auch. Sozusagen – angesteckt. Das sind aktuelle Brennpunkte mit akustischen Auschlägen in die Webwelt. Wenn wir “kritiken” dann doch bitte die Gesamtsituation. Was ist mit den täglichen Opfern der chinesischen Regierung? Wer spricht für die gesteinigten Menschen die durch Taliban ums Leben kamen? Wer spricht über die Millionen misshandelter Tiere, die Walfangländer oder die Menschen die elendig in irgendwelchen Slums ums Leben kommen? Nur weil es in Ägypten gerade laut ist, bleibt die Welt nicht stehen. Oder gerade weil es laut ist bleibt sie nicht stehen. Wir können doch nicht erwarten, das wir uns selber dermaßen via Twitter, Social Networks und Co so mit Informationen überfluten und dann jede Stecknadel gleich zum ausgewachsenen Spieß  machen? […]

  9. klickreflex sagt:

    Ich verstehe nicht so ganz, wie einem die Berichterstattung entgehen kann. Ägypten und Tunesien waren doch die letzten Tage bspw. immer das Top-Thema in der Tagesschau, teilweise mit zusätzlicher Berichterstattung nach den weiteren Top-Meldungen.
    Und ansonsten zeigt ein Blick in Google News, dass die restliche Medienwelt auch nicht gerade schweigt:
    http://news.google.com/news/search?aq=f&pz=1&cf=all&ned=de&hl=de&q=%C3%A4gypten
    Ergebnisse 1 – 10 von ungefähr 10.567 für „ägypten“

  10. Scheinbar halten es viele deutsche Journalisten mit ihrem Sprach-Papst Wolf Schneider, der 2007 im Seminar zu uns (RTL-)Journalistenschülern sagte: „Wen interessiert schon, was in Afrika passiert? Es würde in meinen Augen völlig reichen, wenn es in den Zeitungen eine Spalte geben würde mit der Überschrift ‚Neues aus Afrika'“. (Zitat sinngemäß, nicht wörtlich).

  11. dekay sagt:

    Ich finde deine Medienauswahl oberflächlich. Da sind keine Medien dabei, die für hintergründige Auslandsberichterstattung bekannt sind. Und die FAZ z.B. stelle ihr besten Stücke aus der Zeitung verzögert online. Aus gutem Grund.

  12. Blogwarte.de sagt:

    Armutszeugnis des deutschen Journalismus…

    In Ägypten kämpft ein Volk einen blutigen Kampf um seine Freiheit und unsere Medien berichten fast nicht darüber – ein Armutszeugnis….

  13. Wolf sagt:

    Nein, es dient dem Interesse Israels, dass deutsche Journalisten ruhig sein sollen.

    Heute hörte ich im Radio die Worte eines Korrespondenten aus Israel, die „gößte Gefahr sei, dass es in Ägypten zu demokratischen Wahlen kommen könne“.

    Das sagt doch alles: Ohne den Rückhalt der Ägyptischen Diktatur könnten die Israelis mit den geprügelten Insassen des Gaza-Streifens nicht mehr so umspringen, wie bisher…

    Und darüber zu berichten, verbietet sowieso die allgegenwärtige Pressezensur, der sich auch Auslandskorrespondenten zu unterwerfen haben. Falls nicht, sind sie ihre Akkreditierung los.

    Das ist die wahre Ursache des Schweigens westlicher Länder.

  14. Jens Grochtdreis sagt:

    @anonym @klickreflex Es gab keine wirklich gute, flächendeckende Berichterstattung in den deutschen Medien. Durch Al Jazeera weiss ich, daß die Polizei in Ägypten quasi verschwunden ist und Polizeistationen überfallen und geplündert wurden. Vor allem Waffen wurden erbeutet. Weder „heute“ noch die „tagesschau“ berichteten darüber.

    Als im Dezember ein wenig Schnee fiel gab es fast täglich einen Brennpunkt nach der Tagesschau. Der Hessische Rundfunk widmete sich des Schnees mehrfach hintereinander. Heute kam wie geplant das „Winterfest der Volksmusik“ in der ARD. Es gab keinen Brennpunkt. Da fällt halt kein Schnee.

    In Ägypten droht die nächste Diktatur im Nahen Osten zu fallen und unsere öffentlich-rechtlichen Journalisten kommen weniger ihrem Informations- und Bildungsauftrag, als dem Auftrag ihrer Werbepartner, für Unterhaltung zu sorgen.

    Auf dem ehemaligen Nachrichtensender N24 lief eine Doku über irgendein U-Boot. Kurz vorher wurden noch Reisen verkloppt.

    Auf den ersten Blick ist Ägypten weit weg. Aber Dank der Diktatur dort war es ein Sicherheitsfaktor im Sinne der USA und Europas. Was passiert, wenn diese Proteste zu einem Flächenbrand werden? Es gibt dort nirgends Demokratien. Überall gibt es Potential für ähnliche Aufstände. Was dann? (So, wie die Israelis sich gegenüber den Palästinensern verhalten, weigere ich mich, Israel als Demokratie anzusehen.)

    Ich fühle mich immer weniger informiert. Leider.

  15. Jens Grochtdreis sagt:

    @dekay: Meine Auswahl ist die, der ich sonst vertraue. Die FAZ habe ich abonniert. Mal in der Druckversion schauen. Dank der FAZ-App sollte ich eigentlich teilweise die Artikel des nächsten Tages lesen können.

    Die ZEIT halte ich noch immer für eine sehr seriöse Quelle. Aber auch die berichtete schwach. Erst die FR war gut. Die Süddeutsche habe ich nicht besucht, das war vielleicht ein Fehler. Sonst sehe ich keine Zeitungen, die besuchenswert wären. Alles dpa-Nutzer mit maximal lokaler Qualität.

    Von ARD und ZDF erwarte ich hingegen sehr gute Qualität. Beide wollen die Hochzeit im Britischen Königshaus übertragen und schmeissen da Geld und Aufwand rein. Inforwert gleich Null.

    Wenn aber etwas wirklich Wichtiges passiert sind beide Sender nicht zu gebrauchen. Al Jazeera berichtet gerade wiederholt über die Plünderungen, die Polizeistationen genauso betrifft wie Privaträume oder das Kairoer Museum.

    Sie berichten auch darüber, daß offenbar das Militär nicht gegen die Bevölkerung vorgeht, sondern sich eher mit ihm verbündet. Und sonst kämpfen sie gegen Plünderungen, weil die Polizei nicht mehr existiert. Diese Infos erwarte ich von ARD und ZDF. Stattdessen wird Volksmusik gesendet.

  16. Sebastian sagt:

    11 öffentlich rechtliche Sender empfange ich via DVB-T in Sachsen (keine privaten) und KEINER bringt heute abend tagesaktuelles!

    Serien, Filme, Dokus….Arbeiten da überhaupt noch Journalisten?

  17. Wolf sagt:

    Es ist Wochenende.
    Die Journalisten aus Ägypten kriegen kaum Verbindungen.
    Die Journalisten aus Israel (dort sind die meisten akkreditiert, die aus dem Nahen Osten berichten) dürfen nicht alles schreiben, was sie wissen.

    Das ist das Dilemma.

    Die besten Quellen sind Funkamateure und Leute vor Ort, die per Satellitentelefon oder Proxy noch eine Verbindung zu Twitter und Facebook aufbauen können.

  18. Anonym sagt:

    @ Jens Grochtdreis

    Das was Du erzählst, habe ich eben auf Spiegel Online, auf Zeit Online und auf FAZ.NET gelesen. Wobei die Onlinemedien auch kein Maßstab sind und einen Nachrichtensender à la Al Jazeera oder CNN haben wir in Europa nun mal nicht, also schau doch einfach die beiden. Du kannst eh nur einen gleichzeitig schauen. 😉

  19. Anonym sagt:

    @ Jens Ich glaube, dass ARD und ZDF genauso gut/schlecht darüber berichten würden, wenn es in Deutschland zu Ausschreitungen käme, wie Al Jazeera das nun in Ägypten tut. Aber ARD und ZDF haben vermutlich keine 50 Journalisten in Kairo so wie Al Jazeera. Man muss schon Schwerpunkte setzen.

  20. Sebastian Michaelsen sagt:

    @anonym: Man könnte auch Journalisten nach Ägypten schicken, wie es Medien aus anderen Ländern (wie USA machen). Aber Dokus zu senden ist einfach günstiger als Journalisten in ein Krisengebiet zu schicken.
    Ägypten ist nun wirklich ein sehr westlich orientiertes afrikanisch-musilimisches Land, ich finde es da nicht so selbstverständlich wie du, dass praktisch nur ein Sender aus Katar umfassende Informationen anbietet.

  21. Reto Hartinger sagt:

    Ist es Journalismus einfach überall wo etwas passiert die Kamera daraufhalten? Das hat uns CNN beim ersten Irakkrieg demonstriert und wir waren der amerikanischen Propaganda voll ausgesetzt. Damals hat has US Militär die Bilder kontrolliert indem sie die Kameras nicht ins Kriegsgebiet gelassen haben, aber rund um die Uhr haben wir jede Pressekonferenz der Amis sehen können. Toller Journalismus. Heute haben sich die Leute so daran gewöhnt, dass sie danach rufen.

    Wie auch schon oben gesagt, einfach jedes Gerücht und jede Regung ungefiltert weiterzugeben ist anfällig auf Gerüchte und Propaganda. Wer was inszeniert, wird verbreitet.

    Aber wir kennen das ja heute auch vom Lokalfernsehen. Jemand wurde in seiner Wohnung ermordet. Der Video-Journalist mit der Kamerim im Kopf der Nachbarin „Wie haben sie das erlebt?“. Nachbarin: „Es war furchtbar, das waren so nette Leute. Sie hat mich im Treppenhaus immer gegrüsst“. Die Nachbarin hat natürlich weder etwas gehört noch etwas gesehen.

    Das nennt man dann guten Journalismus?

  22. Reto Hartinger sagt:

    Man könnte natürlich auch ein Beispiel aus Deutschland nehmen. Wieso wird nicht live aus Stuttgard berichtet. Da wird ja auch grad Demokratie geübt. Einfach 24-Stunden mit der Kamera am Bahnhof. Das ginge dann so.

    09.00 – Wir schalten nun live zu Harry Hirsch am Stuttardter Bahnhof. Harry, Harry hörst du mich? Ja Cuno ich höre dich. Was tut sich gerade am Bahnhof. Ja, Cuno eine riesige Menschenmenge vor im und hinter dem Bahnhof. Es fährt gerade auf Gleis 9 1/2 der Zug aus Köln ein. Siehst Du irgenwelche Transparente? Ja, da hält einer Hotel Excelsior in die Luft.
    09.02 Ja das war Harry Hirsch live aus dem Bahnhof in Stuttgard. Anscheinden nehmen die Massenaufläufe auf dem Bahnhof nicht ab. Die Leute laufen auch tagsüber mit Transparenten herum und es herrscht ein ziemliches Durcheinander. Wir melden uns punkt 10 Uhr nochmals aus dem Rathaus von einer Stellungnahme der Regierung ausser es würde sich vorher noch etwas Brisantes ergeben.

  23. @Reto: So etwa laufen ja üblicherweise Reportagen in Deutschland ab. Leider. „Hier fällt tatsächlich Schnee! Im Dezember! Irre. Ich frage mal die jungen Menschen neben mir ……“

    Es geht doch eher darum, daß wichtige Sachen eingeordnet und erklärt werden. Mit Betonung auf „wichtig“. Schau mal wegen der Wichtigkeit auf der Seite des ehemaligen Nachrichtenmagazins „SPIEGEL“ vorbei. Das Dschungelcamp scheint echt wichtig zu sein 🙂

  24. Wolf sagt:

    Ihr vergesst die spannenden Momente, in denen die Schaltung zum Stuttgarter Bahnhof mal wieder kurz zusammenbricht, weil vielleicht gerade ein Zug ankommt oder angesagt wird: „Der Lärmpegel links von mir steigt… Vielleicht kann die Kamera mal kurz rüberschwenken… denn die Situation beginnt gleich auch hier zu eskalieren… Ein paar letzte Bilder noch, bevor auf Gleis 9 dramatische Veränderungen eintreten… Nein…ich höre gerade… die hiesige Führung scheint doch noch handlungsfähig zu sein… hat sich für Gleis 10 entschieden… Harry, hören Sie mich noch..?“

  25. claude sagt:

    ich denke nicht die mangelnde berichterstattung über die aufstände ist ein armutszeugnis deutscher journalie.

    bis zu den aufständen war mubarak ein treuer verbündeter,der westlichen welt,ein land des fortschritts,der demokratie und der meinungsfreiheit.
    ein modernes vorbild in einem meer islamistischer rückständischer gottesstaaten.

    uuuuups,plötzlich nach 30 jahren in denen mubarak in aller seelenruhe einen korrupten polizei und unrechtsstaat aufgebaut hat.
    amerika hat schlicht das pferd gewechselt und opfert schlicht seinen treuesten verbündeten des nahen ostens,da man sich möglichst mit den nachfolgern nicht verscherzen will..
    nun wird die systempresse von der kette gelassen,nun darf man über die missetaten und verbrechen mubaraks berichten.

    das ist für mich der eigentliche skandal,den systemmedien habe ich den rücken gekehrt.
    dem internet kommt eine ähnliche bedeutung zu wie guttenbergs erfindung des buchdrucks.
    wie lange sich unsere regierungen noch erlauben,das an der systempresse vorbei wahrheiten abrufbar sind,ist nur noch eine frage der zeit.
    bezeichnend für den zustand der systemjournalie.
    das internet wurde abgeschaltet,die presse dagegen darf weiter die propaganda der regierung verbreiten.

  26. agusto sagt:

    Im Lande des XXXL-Aufschwungs besteht halt mal wenig Bedarf, sich um die Zustände in anderen Ländern zu scheren. Was ich auch sehr vermisse (und früher war das sogar in den Bezahlmedien möglich), ist, über die Zustände in den Nachbarländern informiert zu werden, aber auch über die Lebensumstände der „normalen“ Menschen in den USA, in den Ländern des ehemaligen Ostblocks, China etc.. Es gab früher durchaus informative und kritische Sendungen in ARD und ZDF, nur heute ist das leider verschwunden oder ins Spätabendprogramm verbannt, wohl aus gutem Grund: Die Öffentlichkeit würde sehen, wohin Geld- und Machtwahn weltweit führen. Da ist unseren Eliten und damit den Programmverantwortlichen natürlich Dschungelcamp und Florian Silbereisen lieber. Irgendwann ist auch der letzte Rest Gehirn so abgestumpft, dass man die wachsende Misere der Menschen hoffentlich gar nicht mehr wahrnimmt. Man steuert mit Ausnahme ganz weniger Medien auf eine machtkonforme Gleichschaltung zu, von einer Wach- und Kritikfunktion von Presse und Fernsehen kann man nichts mehr bemerken. Süddeutsche, Bild, FAZ, die Regionalzeitungen sowieso, das gleiche für 99% der Fernsehprogramme – alles der gleiche Matsch mit Hauptaufgabe Verdummung der Bevölkerung.

  27. Charlotte Stumm sagt:

    Wer alle Zeitungen online liest,muß feststellen, dass in allen immer das selbe veröffentlicht wird.
    Man könnte meinen,dass dahinter immer eine Quelle steckt.
    Sie wollen auch nicht die Meinung ihrer Leser hören,sie wollen die Meinung ihrer Leser beeinflussen.
    Wozu brauchen wir diese Gehirnwäsche der Medien?
    Sie kennen ihre Macht und nutzen diese schamlos aus.
    Zu viel Unwissende können noch beeinflußt werden.
    Politisch,wirtschaftlich und in der Werteorientierung.

  28. Armin sagt:

    Die meisten Journalisten sind faule und langweilige Ängsthasen, die nichts mehr scheuen als die Arbeit auf dem Feld. Da wird ständig ein einziger Al Jaazera Journalist zitiert, er habe viele Tote gesehen auf den Strassen. Dann ist natürlich die Stabilität höchst interessant wegen den nächsten Ferien (Volk) und Wirtschafts- und Machtstrategischen Interessen (Elite). Dass der Chef des gefürchteten Geheimdienstes der neue Vize wird, ist natürlich super, denn das soll für Stabilität sorgen. Keine Regierung will Demokratie in arabischen Ländern, schon gar nicht in Ägypten. Denn das würde viele arabische Länder zum Pulverfass werden lassen und die bösen Islamisten (das sind natürlich alle Nationalisten, kritische Querdenker und überhaupt die gesamte Opposition) könnten demokratische Rechte für das Volk fordern. Lieber sitzen sich sogenannte Journalisten den Arsch fett, gehorchen der Bilderberg Direktive aus der Direktion und halten den Mund, falls das Volk auch nur aus der Ferne aufbegehrt. Am Besten druckt man einfach Reuter News 1:1 ab, denn die ‚machen News bevor sie News sind‘ d.h. die bestimmen, was News sind. Wenn wunderts dann, dass Journalist zum Schimpfwort wird und Journalisten als Lügner und Nichtssager identifiziert werden – zum Glück gibt es noch alle die unbezahlten Schreiber, die ohne Chef, ohne Agenda, ohne Maulkorb publizieren. Sonst würde gar niemand mehr lesen, da ja gar nichts zum lesen in der Zeitung steht, absolut nichts von Interesse am TV gesendet wird ausser Propaganda, Manipulation und durchsichtige Lügen. Und dann beklagen sie (pseudonaiv) das Zeitungssterben, die Medienkriese! Dabei ist es doch gewollt, dass wir vergessen sollen, was News sind. People News, schnittige Autos, Propaganda, Populismus, Unterhaltung, Verblödungsnews, dass alleine braucht der Mensch: Brot und Spiele für das Volk, wie Cäsar schon sagte. Denn Wissen ist nur für die Eliten da nicht für das blöde Volk!

  29. J.B. sagt:

    Nur ein kleiner Hinweis zur deutschen Sprache: Die USA ist keine Frau, sondern sind vereinte Staaten. Aus diesem Grund heißt es auch: „Die USA und alle mit ihnen verbündete Staaten…“ Nur so als kleine Anregung, dass unsere Sprache nicht vollkommen vor die Hunde geht…

  30. […] ich wie ein Polizeiwagen durch die Menge fährt! Live! Ich komme mir etwas verschaukelt vor und ich bin damit nicht allein. Al Jazeera hat dieser Tage einen unglaublichen Job gemacht. Ich hatte nicht das Gefühl sie […]

  31. vera boehmer sagt:

    wir sind auf dem weg zur gleichschaltung der medien…noch können wir uns über alarabiya, aljazeera, twitter usw. informieren und das „staatsfernsehen“ (besonders eklig find ich meist das ZentrumDerFreude) relativieren.
    typisch im aktuellen zusammenhang: die angst vor dem „machtvakuum“ zu schüren, obwohl bereits über selbstorganisation der bürger berichtet wird. aber es muss natürlich so schnell wie möglich ein neuer obermufti, könig, führer oder sontswer her, vielleicht klappts ja auch mit nem (unverdienten) friedensnobelpreisträger?
    und die hinweise auf „ansteckung“ durch nachbarländer sollen doch nur die wirklichen ursachen vertuschen (von denen wir bestenfalls teilweise erfahren werden). ich gehe da „kriminalistisch“ vor und überlege mir als erstes: wer profitiert von dem ganzen zuerst? da kann einem das ein oder andere licht aufgehen, vor allem wenn dann die ersten schlagzeilen langsam verblassen…

  32. Judith sagt:

    Auch wir fühlen uns von der deutschen TV-Landschaft im Stich gelassen.
    Aber gute Berichterstattung gibt es noch – aber zunehmend im Internet.
    Man sollte sich hier also mehr über die TV Veranstalter beklagen, als über den Journalismus…
    Wie auch immer – bei uns läuft BBC-News im TV und AlJazeera am PC – zwischendurch lesen wir Onlinedienste nach.(hier z.B. auch Heise)
    Letztlich bleibt uns aber nur Resignation, da die Welt sich wieder damit abfindet, dass eine Regierung einfach die Medien, das Internet und auch die Telefondienste abschalten kann.

  33. ich sagt:

    ja, und wer steurert die medien? nein, nicht nur die CDU, sondern die kohle! es geht um quoten und geld. da is das assicamp im dschungel doch vermatktungsfähiger. dumme menschen können stundenlang darüber reden. das, was du willst, ist viel zu komplex um es mit einem iq, er gerade so über der raumtemperatur in einem iglu liegt, zu verstehen.
    also, alles ganz einfach. dumme leute gibts mehr als leute mit ein wenig verstand. und mit „hirn“ hat noch keiner kohle gemacht. die denken nach und findens blöd. 😉
    also, nicht wundern. mich wundert schon lang nix mehr.

  34. Gunther Buch sagt:

    Die Kombination von CNN und BBC Worldservice ist ziemlich gut (über Satellit). Vermisse auch Sonderberichte zB auf ZDFinfokanal ntv, N24. Grüsse, Gunther

  35. […] Jens Grochtdreis: Armutszeugnis des deutschen Journalismus […]

  36. Habnix sagt:

    Die MainstreamMedien gehen dem Faschismus immer voraus.

    Gott sei dank haben einige das gemerkt aber ob das hilft es muss klever agiert werden.

    Wehret den Anfängen.

    Nicht die Ware tauschen sonder verteilen die man zu viel hat.

  37. Michael Simm sagt:

    Der eigentliche Skandal ist doch, dass man uns für die Parteisender ARD und ZDF jährlich acht Milliarden Sondersteuer aus den Taschen zieht, dass dies mit Worthülsen wie „Öffentlich-Rechtlich“ und „Rundfunkgebühren“ kaschiert wird, und dass in diesen Anstalten dann Parteibuchträger als Stichwortgeber fungieren anstelle von Journalisten.
    Aber klar, das kann ja niemand wollen, dass einer danach fragt, wer denn den Diktatoren in Ägypten, China und sonstwo mitsamt ihren Folterknechten unterstützt und für „alternativlos“ hält.

  38. Gregor K. sagt:

    Deutschland hat immerhin auch ein Interesse daran, das Ägypten stabil bleibt und da stützt man dann auch eher den Diktator als was zu riskieren. Die Medien können sich also auf die US Berichte verlassen. Denn die deutsche Sicht ist nicht grundsätzlich verschieden.

  39. Lukas Reichel sagt:

    Die jungen Menschen in Ägypten lechzen anch internationaler Aufmerksamkeit, nach globaler Solidarität. Es kann nicht sein, dass ein Land wie Deutschland (mittlerweile im UN-Sicherheitsrat) es nicht schafft seiner politischen internationalen Verantwortung gerecht zu werden, obwohl es täglich tausende schicke Autos durch den Suez-Kanal presst.

    Aber wahrscheinlich liegt es daran, dass Deutschland, trotz anderslautender Schulbuchweisheiten, jede Revoloution und jeden Fortschritt in den Ar*** geschoben bekommen hat.

    Liebe Mitbürger und Landsleute geht arbeiten und lasst euch von den Arabern nicht stören. Schließlich gilt es das Eigenheim abzubezahlen.

    Traurig aber Wahr!

  40. KP sagt:

    „Passend“ dazu gibt es auf Welt online noch etwas Al Jazeera Bashing zu lesen: Al-Dschasira liefert die Euphorie zur Revolution. Über die Berichterstattung in unseren Medien wird natürlich kein Wort verloren.

  41. Christian sagt:

    Jens, ich stimme dir voll und ganz zu… allerdings spiegeln unsere Medien meist nur das wieder, was die Mehrheit sehen will, oder was eben am meisten Geld bringt und unproblematisch bzw. billig ist.

    Schau dir RTL, Pro7, Sat.1 usw. an, realistischer Newsgehalt ist dort gar nicht mehr erfassbar, der Tag wird abgedeckt mit Gewinnspielfragen oder der Auflösung ob dieses Youtube-Video jetzt ein Fake ist oder nicht.

    Die Berichterstattung hat sich in den letzten Jahren ziemlich gewandelt, die Qualität ist wie du selbst sagst, selbst bei Sendern wie N24 stark rückgängig. Aber es ist eben das war leider der Deutsche Pöbel gewillt ist zu sehen. Leicht verdaubere Nervenkost, den man auch noch werbetechnisch toll ausnutzen kann, nicht viel überlegen, oder gar was unternehmen.

    Von daher kann ich die Sender fast sogar verstehen, in einer Medienwelt wo alle nur noch zusehen wollen ob nun Mann X, Y oder Z der genetische Erschaffer von Angelina-Chantal ist, hätten Sender mit Sachen die zum Nachdenken anregen wohl einfach verloren.

  42. Dave sagt:

    @ J.B.

    Die USA ist im englischen Original im Singular. „The USA is a big country.“ nicht „The USA are a big country.“ Von daher ist es auch im deutschen im Singular. Klingt komisch ist aber trotzdem so.

  43. jasi sagt:

    lustig dass auf n24 das Format “sonnenklar.tv” dabei lief. Da ich sehr gerne auf urlaub fahre finde ich das gar keine schlechte idee dazwischen urlaubsangebote zu gucken. Mittlereweile weisst jeder über dieschwierige situation in manchen ländern. Man sollte also lieber eine reise in ein anderes land buchen 😉

  44. […] will gar nicht lamentieren, wie erbärmlich ich es empfinde, was heute (wie jeden Tag) für Zeug die Titelseiten der Zeitungen ausmacht (wo doch in Ägypten die vielleicht entscheidende […]

  45. KP sagt:

    Aktuelle Berichterstattung bekommen wir hier erst, wenn in Nordafrika irgendwo 2000 Allahu Akbar – Rufende gesichtet werden. Titel dann: „Massenproteste in Nordafrika eskalieren – Tausende Islamisten fordern einen Gottesstaat“.

  46. […] Armutszeugnis des deutschen Journalismus « F-LOG-GE […]

  47. Struppi sagt:

    Also ich kann dem allgemeinen Tenor des Artikels nicht folgen. Auch ich habe im Fernseh Berichte über die Polizeischergen gesehen und es gab einige Bilder der Situation. Dass aber spätestens seit gestern Journalisten in Kairo verfolgt werden, macht es westlichen Medien natürlich schwerer zu berichten.

    Und natürlich ist es nicht so einfach, wie es hier in den Kommentaren klingt, mal eben Jorunalisten mit dem nötigen Euqipment und der nötigen Erfahrung, durch die Weltgeschichte zu kutschieren. Dazu noch in eine Stadt wo evtl. deren Gesundheit oder gar Leben bedroht ist.

    Insofern halte ich die ganze Aufregung für weit überzogen. Die klassischen Medien sichern die Grundversorgung an Information, wer mehr will, musste sich schon immer bemühen diese Informationen zu finden. Wer aber eine rundum-vollversorgung mit allen Hintergrundinformatione und jedem Detail erwartet, hat vermutlich keine Vorstellung, wie Informationen entstehen und denkt, dass an jeder Ecke auf der Welt ein Jorunalist des ZDF oder der FAZ steht.

    • Jens Grochtdreis sagt:

      @Struppi: Beachte bitte, daß mein Beitrag vom 29. Januar ist, also noch Tage bevor das deutsche Fernsehen kapiert hat, daß in Ägypten etwas los ist. Bis dahin gab es keine Sondersendungen, Florian Silbereisen war wichtiger. Mittlerweile haben ARD und ZDF ja glücklicherweise von allen Seiten Prügel bezogen. Mir wird trotzdem übel wenn ich daran denke, daß beide Sender einen Riesenaufwand betreiben, um die Hochzeit im Englischen Königshaus zu übertragen, bei Ägypten und Tunesien aber versagten. Sie sollten den Boulevard den Privaten und der Regenbogenpresse überlassen. Die englische Hochzeit ist für uns kein wichtiges Ereignis.