Gegen allzu kreative Auswüchse

Für Gerrit van Aaken grenzt es fast an eine Beleidigung, als Kreativer bezeichnet zu werden, angesichts der immer wieder hochgejuchzten „kreativen Websites“. Ich kann ihn da voll und ganz verstehen und danke Gerrit für einen famosen Artikel. Zwei Zitate des in Gänze sehr lesenswerten Artikels finde ich bemerkenswert, geben sie doch das wieder, was ich schon seit Jahren öffentlich und intern „predige“. Doch diesmal sagt es kein Entwickler, sondern ein Designer.

Die Website ist nicht für den Betreiber des Angebotes gemacht. Und auch nicht für die ausführende Agentur. Der User muss letztlich die Website bedienen. Und ich schreibe ganz bewusst „bedienen“, nicht „erkunden“, „spielen“ oder „erleben“. Und damit nähern wir uns dem Kern des großen Missverständnisses, das streng genommen schon seit Erfindung der Multimedia-CD-ROM existiert:

Der Anbieter will den User emotional beeindrucken. Der User aber scheißt auf emotionale Beeindruckung – er will schnell und einfach informiert werden.

So dogmatisch es klingen mag: Eine aufwändige äußere Form ist wertlos, wenn die dahinter liegenden Inhalte belanglos sind. Wenn die Inhalte hingegen hochinteressant sind, lenkt die äußere Form nur unnötig ab. Gute Inhalte brauchen keinen Affenzirkus zur Untermalung, sondern sind ihrer selbst Willen begehrt. Und wollen dann weiterverbreitet werden!

Danke, Gerrit. Du sprichst mir aus der Seele. Und es ist schön, diese Worte von einem Designer zu lesen, nicht von einem Entwickler. Ich kann also noch Hoffnung haben.

8 Responses to “Gegen allzu kreative Auswüchse”

  1. Gern geschehen – allerdings darfst Du nicht vergessen, dass ich vor, während und nach meinem Designstudium immer auch stark technisch gearbeitet habe und von daher kein klassischer Designer bin, sondern ein Zwitter.

  2. Ruth sagt:

    Eigentlich sollte doch gerade der „reine“ Designer während seines Studiums schon mal etwas von „form follows function“ gehört haben. Aber die Menschen lassen sich nun mal gerne blenden. Ich finde es geradezu erschreckend, welche Beispiele der DMMA als „Zukunftstrends“ präsentiert.

  3. andreas sagt:

    Worauf der User scheißt, sollte der User selber entscheiden.
    Ich scheiße auf solchen arroganten Mist!

  4. Ole sagt:

    Ich denke, daß Gerrits Aussage:

    „Der Anbieter will den User emotional beeindrucken. Der User aber scheißt auf emotionale Beeindruckung – er will schnell und einfach informiert werden.“

    wie so oft bewußt provozieren will. Denn laut gewissen Usability Studien kann ein aufwändigeres, ästethisches Design durchaus gut für die Usability sein und somit eine positive Wirkung auf den Nutzer haben.

    Zitat:

    „Die Nutzer fühlen sich auf “schön empfunden” Websites wohl und verzeihen so die ein oder andere Usability-Schwäche. Die Nutzer sind geduldiger, sie kommen öfters wieder und erhoffen sich durch den Site-Besuch eine positive Stimmung.“

    Oder lest selbts:
    http://www.usabilityblog.de/2009/06/asthetik-und-usability-immer-noch-gilt-dass-asthetische-designs-benutzerfreundlicher-empfunden-werden/

    P.S. ich bin übrigens „reiner“ Entwickler…

  5. Struppi sagt:

    @andreas, ja genau das tut er doch oder kennst du eine erfolgreiche Flashseite?

  6. […] bei Jens Grochtdreis folgendes Zitat zur Website-Gestaltung und Konzeptionierung von Gerrit van Aaken gelesen: Die […]

  7. Niko sagt:

    @struppi nike.com oder sinnerschrader.de

    Internet ist groß genug. Es ist genug platz für CSS und Flash und JavaScript und … Es ist genug Platz für neue Technlogien.
    Wenn mann sich an Usability Regeln haltet und viele Tests durchführt, dann ist Flash eine ausgezeichnette Option.
    Viele Grüße

  8. Chris sagt:

    Da stimme ich voll und ganz zu. Es gilt form follows function!