Rezension: Handbuch der Webnavigation

Mitte 2008 erschien bei O’Reilly das Handbuch der Webnavigation von James Kalbach. Der in Hamburg lebende Amerikaner beschäftigt sich darin auf fast 400 druchgehend farbigen Seiten mit Navigationen.

Auf den ersten Blick erscheint dieses Thema wenig spannend und interessant. Was fangen wir allerdings mit einer Webseite ohne eine Navigation an? Kalbach nimmt in 13 Kapiteln sehr unterschiedliche Aspekte von Navigation bzw. unterschiedliche Naviagtionsformen unter die Lupe. Sein Stil ist verständlich und locker. Die Kapitel sind reich bebildert und mit vielen Beispielen unterfüttert. Kalbach widmet sich anfangs unterschiedlichen Navigationselementen, also bswp. Tagclouds, alphabetischen Indizes, Dropdownmenüs oder Sitemaps. Er schaut sich unterschiedliche Navigationstypen an, thematisiert Navigationsbeschriftung genauso wie deren Layout oder gar die Gestaltung ganzer Oberfächen. Es gibt ein Kapitel über Navigationsarchitektur, ebenso über die Analyse von Navigationskonzepten. Am Ende widmet er sich Tagging-Systemen und RIA.

Das Buch kommt ohne jeglichen Code aus, das ist sehr gut. Denn es geht um die Naviagtion an sich, nicht um deren genaue Umsetzung. Er weist allerdings dankenswerterweise darauf hin, daß die altbackene Methode, Navigationen mit Tabellen und am besten noch mit sehr viel Javascript zu erzeugen, nicht nur überholt, sondern auch kontraproduktiv ist.
Das tolle Layout des Buches ist sicherlich ein wichtiger Aspekt dafür, daß das Lesen dieses Buches so viel Laune macht. Die vielen Beispiele sind ein großes Plus. Das Thema wird so nicht rein theoretisch, sondern immer am konkreten Objekt vorgeführt. Die Beispiele sind zudem weltweit zusammengesucht, was eine Konzentrierung auf eine Designschule verhindert.

Kalbach thematisiert dankenswerterweise auch die Internationalisierung von Navigationen. Kompakte englische Begriffe werden im Französichen oder Deutschen leicht doppelt so lang. Das kann ganze Designs sprengen. Am Ende eines jeden Kapitels hat der Autor Fragen gestellt. Es handelt sich dabei nicht um den Versuch, ein Schulbuch zu imitieren. Diese Fragen regen den Leser dazu an, auf Basis des gerade Gelesenen weiterzudenken. So etwas begeistert mich, weil es auch zeigt, daß der Autor nicht für sich in Anspruch nimmt, allwissend zu sein.

In meinen Augen ist dieses Buch eine Pflichtlektüpre für alle Informationsarchitekten, Konzepter und Designer. Aber grundsätzlich sollte jeder, der professionell mit dem Internet arbeitet, den Inhalt dieses Buches zur Kenntnis genommmen haben. Es gibt sehr wenige Computerbücher, die sehr gut sind, die das Zeug zum Klassiker haben, die man getrost als Pflichtlektüre bezeichnen kann. Dieses Buch gehört dazu.

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