Scharlatane

Immmer wieder treffe ich auf Webseiten von Agenturen und Einzelkämpfern, die das Blaue vom Himmer herunter lügen versprechen. Es ist sehr anstrengend, sich dabei zurückzuhalten. Andererseits kann ich auch nicht jedem Scharlatan eine deutliche Mail schreiben. Dann käm ich nicht mehr zum Schlafen oder Essen.

Aber hin und wieder muss ich einfach so kleine (In-)Kompetenz-Teams herauspicken. Heute ist es die Agentur netscouts, die sich im Bereich barrerefreier Dienstleistungen positioniert. Das ist nicht nur ein sehr anspruchsvolles Territorium, sondern auch eines, bei dem man es gewöhnt ist, daß genau hingeschaut wird. So genau muss man dabei aber gar nicht schauen. Zitat Eigenwerbung:

Bei netscouts prüfen Menschen mit Behinderung Internetpräsenzen, ob sie für Behinderte zugänglich sind. Und gleichzeitig können wir die Websites entsprechend umgestalten und umprogrammieren!

Mal abgesehen davon, daß man Webseiten zumindest frontendseitig mit HTML und CSS nicht programmiert – das wissen natürlich die meisten Kunden nicht – so ist das hehre Ziel schonmal an der eigenen Seite vorbeigegangen. Im Quellcode werkelt eine Layouttabelle:

<table align="center" summary="Diese Tabelle ist eine reine Layout-Tabelle. Sie dient der Gliederung des Inhalts." class="hauptnavigation">

Ja, das mag ja sein, daß das eine reine Layouttabelle ist. Aber dann heißt es: “Gehen Sie direkt ins Gefängnis, gehen Sie nicht über Los und ziehen Sie keine 400 Euro ein!”

Die Erfindung des Absatzelementes hat sich auch noch nicht bis zu dieser Agentur herumgesprochen, dafür liebt man <br>. Übrigens wurde der Inhalt in eine eigene Tabelle platziert, die in die andere verschachtelt wurde.

Bitte, liebe Behindertenverbände, tut das Eure, um solchen Scharlatanen das Handwerk zu legen. Bildet sie entweder fort oder überzieht sie bzw. ihre Kunden mit Verbandsklagen. Es wär schade, wenn solche Agenturen weiterhin am Markt blieben und das Internet mit Müll vollpusten.

25 Kommentare zu “Scharlatane”

  1. Ich gebe dir völlig recht. Das Problem ist, dass man im Bereich Webdesign (ahnungslosen) Kunden momentan leider “noch viel erzählen” kann, bzw. der Kunde hat nicht die Möglichkeit, all das zu überprüfen, was mancherlei Agentur ihm verkauft hat.

    Fabian    |   29.Juni 2008
  2. Ich frag mich was Du Dich da so aufregst, wo auch Du hier nur ein Aller-Welt-CMS + Theme setzt … so weit kann es mit dem eigenen Umsetzen ja nicht sein -.-

    Fred    |   29.Juni 2008
  3. @Fred: Ging es um das CMS, oder das Theme oder um Benutzerfreundlichkeit -> Barrierefreiheit? Und in seinem privaten Blog will er keine Websites verkaufen, gelle?

    @Jens: Auch ich gebe Dir völlig recht. Mir gehts genau so, wenn ich auf Seiten komme, wo es so oder ähnlich zugeht. Dann krieg ich schon ‘n dicken Hals. Noch schlimmer, wenn ich dann fertige Seiten sehe, und von den Preisen höre, dieser Pfusch gekostet hat. Besonders bei Städte- und Gemeindeportalen und so, wo noch eine andere Öffentlichkeit statt findet als bspw. auf Firmenseiten…

    Ach – und jetzt rege ich mich mal nicht weiter auf sonder schmeiße den Grill an. Ich wünsche allen ein schönes Spiel heute Abend :o )

    Sylke    |   29.Juni 2008
  4. Au weia! In deren Referenzen http://www.behinderte-in-nuernberg.de/ … dazu fällt mir echt nix mehr ein … (“Ausstellung” und dann mal über die Links hovern)

    Sylke    |   29.Juni 2008
  5. sry, dann scheint es, dass ich das wohl falsch aufgegriffen habe.

    Fred    |   29.Juni 2008
  6. Naja, wenigstens benutzen sie das Summary-Attribut :D

    Christian    |   30.Juni 2008
  7. Wirklich Super… Die Seiten die von Konformität sprechen und im W3C-Check nicht unter drei Seiten Fehlerprotokoll wegkommen :D

    Mathias    |   30.Juni 2008
  8. Ich habe versucht netscouts eine freundliche Nachricht per Kontaktformular zukommen zu lassen, aber das funktioniert ja nicht.
    Sind sie es ueberhaupt wert?

    Nadine    |   30.Juni 2008
  9. Agenturbashing ist blöd ;-)

    Generell liegt doch das Problem nicht bei diesen “Agenturen” sondern immer noch beim Kunden, der sich solche Sachen verkaufen lässt.

    Gerade im sog. “mittelständischen Unternehmen” und auch noch bei Kommunen (mein Nachbarort Selm in Westfalen ist dabei der Hit) ist es auch im Jahr 2008 noch Gang und Gäbe den Webauftritt nicht ernst zu nehmen. Der Begriff “barrierefrei” löst immer noch bei vielen Kopfschütteln aus (“Brauchen wir nicht”) und der Auftrag geht entweder an die günstigere Firma oder bei Kommunen an die Firma, die eh in einer Intressensvertretung sitzt :-(

    Die Unternehmen, die sich wirklich Müh bei der Suche nach einer geeigneten Agentur geben, schwimmen leider auch oft im Trüben, da ihnen soviele Agenturen schon das Blaue vom Himmel versprochen haben und es immer wieder ein Reinfall war.

    Meine Bitte an die Webkrauts: Stellt doch mal einen Leitfaden oder Checkliste für Kunden a la “Scharlatane keine Chance – So erkenn ich eine professionelle Webagentur” zusammen.

    Für beide Seiten hätte sowas einen Vorteil. Das Unternehmen kann “Quacksalber” schon früh aussortieren, Entscheider in Firmen haben Argumente bei der Hand und Agenturen können den Kunden damit Überzeugen, dass sie sich an den Leitfaden halten.

    Viele Grüße

    Chris

    christian    |   30.Juni 2008
  10. @Chris: Ja, Agenturbashing ist doof. Nicht wegen der Tätigkeit selber, sondern weil es immernoch nötig ist. Und ich tue dies nicht, weil ich der Alleinseeligmachende Könner bin und die Aufträge haben will. Will ich nicht. Aber ich will ein besseres Netz. Und ich hasse es, mit solchen Scharlatanen die gleiche Berufsbezeichnung zu haben. Aber naja, vielleicht sollte ich mich damit beruhigen, daß Johann Lafer und der Typ von der Frittenbude um die Ecke beides “Köche” sind.

    Ja, eine Checkliste ist eine gute Idee. Nehme ich mal auf. Allerdings gibt es sowas schon. Es heißt BITV und hat eine Checkliste dabei. Der Kunde muss natürlich auch wissen, wonach er schauen soll. Die Fahkompetenz der Kunden korreliert oft zu sehr mit der Inkompetenz der “Agenturen”.

    Jens Grochtdreis    |   30.Juni 2008
  11. @christian Das würde ja heißen: “Generell liegt doch das Problem nicht bei diesen Taschendieben sondern immer noch beim Passanten, der sich bestehlen lässt.”

    Dummerweise hat niemand dem Passanten erzählt, wer der Taschendieb und wer der Verkehrspolizist ist. Auch hier geht es um Medienkompetenz: Aufklärung tut not. Und in diesem Extremfall ist Agentur-Bashing schon fast Teil der Aufklärung.

    Nils    |   30.Juni 2008
  12. @christian: Nachtrag: Deine Idee mit Handreichung für Kunden ist eine gute Idee und kommt vielleicht schon bald. Im Netz gibt es bereits eine Aufklärungsseite für Kunden und Entscheider: designfragen.de.

    Nils    |   30.Juni 2008
  13. also, ‘ne Checkliste gibt es doch schon: http://www.vorlagen.uni-erlangen.de/regeln/checkliste.shtml

    Sylke    |   30.Juni 2008
  14. Agenturbashing,bzw eine Art von schwarzer LIste hätte schon etwa für sich.

    Allerdings ist sowas in Deutschland nicht möglich: Zum einen wird sowas gleich als “Pranger” negativ bewertet, zum anderen wirkt die negative Publicy teilweise auch zu Gunten der Agentur (Man denke an gewisse Anwälte, die sich allein durch ihr plakatives Gebarren Bekanntheit holten).
    Ein weiterer Punkt: Viele Webkrauts sind selbst Freiberufler. Somit wäre jegliche Art von Liste seitens der Webkrauts leicht anwaltlich angreifbar.

    @Sylke: Danke für den Hinweis ;)

    xwolf    |   30.Juni 2008
  15. Das mit dem “Agenturbashing ist blöd” sollte nicht abwertend gemeint sein. Immerhin kennt hier ja jeder zig “Agenturen” die den Begriff “Webdesigner” nicht verdient haben.

    Entschuldigt also bitte, wenn das so rüber kam :-(

    @Jens: das BITV kenn ich natürlich, aber viele könnten sich am Anfang bei der Suche mit dem BITV Test überfordert fühlen, da er natürlich sehr ins Detail geht. Für mich steht er einen Schritt nach der “Agenturauslese” (z.B. für das spätere Pflichtenheft und die abschliessende Kontrolle des Webauftritts).

    Jetzt kann man sagen: “Wenn der Kunde sich nicht richtig informiert, dann bekommt er halt die Webseite die er verdient”. Aber das finde ich zu einfach gedacht.

    @Nils und @Sylke danke für die Links, ich kannte die Seiten noch nicht, aber so was wäre ein Anfang, worauf man aufbauen könnte, auch wenn sie bestimmth noch erweitert werden müssten.

    Ich weiss nicht, ob man eine Checkliste , die inhaltlich kompetent genug ist, aber eben auch “auf den Punkt” gebracht wurde, hinbekommt.

    Wäre auf jedenfall eine spannende Sache und bestimmt sehr hilfreich.

    @Xwolf, warum so eine Liste anwaltlich angreifbar wäre, versteh ich aber leider nicht. Da soll ja nicht drinstehen “Wir sind die besten und alle anderen sind blöd” ;-)

    christian    |   30.Juni 2008
  16. Sehr aufschlussreich ist auch die Verwendung eines Transitional-Dokumenttyps mit Strict-DTD-Referenz …

    Leser    |   30.Juni 2008
  17. @Christian,

    wenn man Layout-Tabellen einsetzt, dann sollte das summary-Attribut leer sein:

    Providing a summary for tables

    Perun    |   30.Juni 2008
  18. Hey Jens, wat haste denn gegen Frittenbuden? ;-)
    Die stell ich im Frittenblog gerade vor und ich hoffe, dass da im Laufe der Zeit einige Perlen zusammenkommen. :-)

    sorry für diesen OT-Schlenker. Aber Frittenbuden in Konkurrenz zu Lafer & Co.muss ICH ja wohl unterstützen. ;-)

    Und was die Scharlatane betrifft – ich glaub, man tut mehr für ein besseres Netz, wenn man sie öffentlich nicht erwähnt, sondern ignoriert und im Kleinen und offline mit seinen Kunden über solche “Dienstleister” spricht.

    Biggi    |   30.Juni 2008
  19. Jens, das ist genau das, was ich in der Yahoo-Group angesprochen hab. Darauf hat aber niemand reagiert.

    Die Webkrauts könnten doch versuchen, das derzeitig Web am eigenen Schopfe aus dem Dreck zu ziehen:

    Wenn ein Unternehmer eine Agentur sucht, wie finder er die? Er googelt wahrscheinlich danach. Dann versuchen wir uns eben mit entsrechenden Websites möglichst weit vorn im Ranking zu platzieren und den Suchenden auf Seiten (unsere) zu führen, auf denen er aufgeklärt wird. Wenn er im ersten Satz etwas liest, was in interessiert, dann wird er es lesen. Unser Vorteil: Er hat kaum Ahnung von der Materie und weiß deswegen nicht sehr konkret, wonach er eigentlich suchen soll bzw. ob er es jetzt gerade gefunden hat.

    Auf solchen Seiten muß es doch möglich sein
    a) schlechte Agenturen zu bekehren oder
    b) sie an den Pranger zu stellen (den Suchenden vor ihnen warnen), wenn sie nicht hören wollen
    c) dem Suchenden ein wenig zu erklären, daß er auf bestimmte Dinge achten sollte (daß es auch bei Websites sowas wie Qualität gibt). Dann fragt er sich vielleicht »Ja aber worauf denn bitte?« und wir können ihm zumindest ein Formular, Leistungsverzeichnis oder sonstwas geben, daß er einfach nur dem Bewerbeer weitergeben braucht.

    Edoardo    |   30.Juni 2008
  20. Was haben eigentlich alle immer gegen diese armen Layout-Tabellen. Man liest die schließlich auch von links oben nach rechts unten und das dürfte auch keinen Screenreader stören. Dafür funktionieren sie fast idiotensicher, z.B. auch in Newslettern.

    Elegant ist es zugegeben nicht. Aber wenn ich mir die CSS Hacks anschaue, die teilweise für ein mehrspaltiges Layout nötig sind, kann man wohl kaum noch von “semantisch korrekt” sprechen (Ist mal jemanden aufgefallen, dass ein Float von seinem Sinn NICHT dafür gedacht ist, Spalten anzulegen, sondern Text irgendwo rumfließen zu lassen?)

    Fazit: Solange man Layout-Tabellen nicht zu komplex gestaltet sind, behindern sie niemanden. Man sollte sich bei der HTML-Entwicklung mehr auf das Ergebnis und weniger auf Klug.. die Deutungshoheit konzentrieren.

    Ich programmiere meine Webseiten nebenbei auch, da ich sowohl Javascript im Frontend als auch PHP oder Java im Backend einsetze. Zumindest fortgeschrittene Websites basieren idR. nicht nur auf HTML und CSS.

    Thomas D.    |   2.Juli 2008
  21. @Thomas D: Es erstaunt mich, im Jahre 1008 immernoch jemanden zu lesen, der eine Layouttabelle eine gute Erfindung findet. Ich versuche es kurz zu machen.

    Schreibst Du Deine Briefe in Excel? Warum nicht? Warum soll ich denn dann eine Webseite so erstellen, wie einen Brief in Excel? In den Anfangstagen des Web war dies ein notwendiger Hack, um überhaupt ein halbwegs interessantes Layout in den damals existierenden Browsern hinzubekommen. Heute ist dies nicht mehr notwendig.

    Die Layouttabelle ist ein Hack, die Nutzung von Floats zum sietenaufbau nicht. Zudem hindert die Nutzung von Floats zum Seitenaufbau kein Endgerät an der korrekten Wiedergabe des Inhalts. Er kommt auch in der richtigen Reihenfolge an, was er bei einer Tabelle nicht kann. Du würdest von oben nach unten eventuell lesen, bekommst aber den Inhalt von links nach rechts im Quellcode präsentiert.

    Wenn sich im Zusammenhang mit CSS immer der Eindruck der Hacks aufdrängt, dann liegt das nicht an CSS, sondern an den Browsern. Und diese Browser beginnen eigentlich immer mit “Internet Explorer”. Auch die anderen Browser sind nicht fehlerfrei, die schlimmsten Klopper oder größten Lücken in der Implementierung hat aber noch immer der IE. Auch der kommende IE8.

    Auch die Nutzung von Layouttabellen in Newslettern ist nicht deshalb so toll, weil diese Layouttabellen so toll wären, sondern weil die meisten Clients einfach unterirdisch in der HTML-Interpretation sind. Outlook 2007 hat neuerdings Word als Rendering Engine, aber Google Mail oder Notes sind keinen Deut besser, eher schlechter. Auch hier leigt es an den unfähigen Clients, nicht an der Technik.

    Wer Layouttabellen heutzutage nutzt, arbeitet entweder für ein Intranet, das hauptsächlich mit Netscape 4 genutzt wird oder hat definitiv keine Ahnung von moderner Webentwicklung. Wer noch Layouttabellen nutzt ist auf dem Stand von 2000 oder 2001 stehen geblieben. Das ist für ein solch dynamisches Medium wie das Internet fatal.

    In meinen Augen haben solchen Menschen KEINEN Profi-Status in Bezug auf Frontenentwicklung. Wir können da höchst von Hobbyisten sprechen. Sie können dann alle so gut in PHP, ASP, Perl oder ColdFusion sein, vom Frontend hat so jemand dann keine Ahnung und sollte die Finger davon lassen.

    Jens Grochtdreis    |   4.Juli 2008
  22. @Jens: Full ACK

    xwolf    |   5.Juli 2008
  23. Waren Layout-Tabellen 2001 noch ok? So spät noch? Ist zwar sieben Jahre her, aber die Zeit vergeht ja schnell.

    Edoardo    |   5.Juli 2008
  24. Hallo Jens! (Ich schaff es immer, nach Ewigkeiten deine Beiträge zu kommentieren ;) ).

    Jaja, das ist echt ein Thema. Ich versuche mir immer zu sagen „wat denn, so eine Bude steckst du in die Tasche“. Das große Problem an solchen Buden ist aber immer, dass die mindestens eine fette Labertasche im Gepäck haben, die dem potentiellen Kunden sonstwas für einen Bullshit erzählt und der pot. Kunde letzendlich alles glaubt. Berufsehre? Null. Fachwissen? Unterirdisch!

    Die Kunden schreien nach billigen Seiten, bekommen aber einen Müll angedreht, den, wenn sie wüssten, WAS sie da bekommen, nicht einmal geschenkt nehmen würden.

    Hier muss man zunehmend pragmatischer werden. Spätestens, wenn die Leute merken, dass sie mit ihrer Seite nur Probleme bekommen, dass sie vielleicht nicht bei Google zu finden ist, dann entstehen die ersten Fragezeichen.

    datenkind    |   17.Juli 2008
  25. Vielleicht gibt es bald eine Info zu webentwicklung, die all das oben Beschriebene positiv und einfach aufbereitet weitervermittelt…

    Matthias    |   20.Juli 2008