Und damit kann man arbeiten?

„Und damit kann man arbeiten?“ Das fragte mich eben im Zug (vom Barcamp Hannover kommend) eine Dame, als sie mich an meinem neuen EeePC tippen sah. Zugegeben, diese Frage ist berechtigt. Meine Antwort ist ein klares JEIN. Ich habe den EeePC nun seit einer Woche und schon meine Erfahrungen mit dem kleinen Kerl gemacht.

Der primäre Einsatzzweck meines EeePC ist das Lesen von PDFs beim morgendlichen Pendeln im Zug. Zudem wollte ich einen leichten Rechner haben, den ich auf Barcamps und Webmontage mitnehmen kann, um damit Mails zu checken und meine Präsentationen zu halten. All dies leistet der EeePC prima. Er wird mit Linux der Geschmacksrichtung Xandros betrieben und führt vollständige Versionen des Acrobat Readers, von Firefox und Thunderbird mit sich. Ebenso kann man mit OpenOffice in der leider veralteten Version 2.0 arbeiten.

Die Tastatur ist logischerweise klein, denn der ganze Rechner ist gerade so groß wie ein Computerbuch und mit 900g auch etwa so schwer. Diesen Text tippe ich gerade im Zug von Hannover kommend auf der kleinen Möhre. Allein durch die kleinen Tasten und das etwas geänderte Tastaturlayout ist die Zahl der Tippfehler enorm angestiegen. Trotzdem kann man in einem beschränkten Zeitraum gut damit arbeiten. Ich bin mir sicher, daß ich mit ein wenig Übung treffsicherer werde.

Für den täglichen PDF-Konsum und das Checken von E-Mails auf der Couch oder auf einem Barcamp ist der Kleine wie geschaffen. Es ist schon fast ein Genuß, PDFs zu lesen. Die Stolpersteine liegen woanders. Asus hat sich bewußt dafür entschieden, das im „Untergrund“ existierende KDE durch eine simplifizierte Oberfläche zu ersetzen, die mit Reitern und großen Buttons arbeitet. Solange man mit den mitgelieferten Programmen arbeitet ist das prima. Möchte man aber neue Software haben, hat man ein Problem. Einen richtigen Paketmanager besitzt die Oberfläche nicht, das standardmäßig eingerichtete Repository liefert nur wenig Software. Mit ein wenig Recherche findet man zwar Hilfe im Netz, aber die nötigt den Nutzer sehr schnell zur Nutzung des Terminals. Das ist dann leider nicht mehr simpel. Sind dann endlich neue Programme installiert, bekommt man diese nur mit einer zusätzlichen Applikation auch auf der „Easy Mode“ genannten Simpelstoberfläche angezeigt.

Die eigentliche Zielgruppe des kleinen Rechners scheinen Nutzer zu sein, die sich nicht mit dem Betriebssystem auseinandersetzen wollen und kaum neue Programme benötigen. Ich denke, Asus hat sich eine falsche Vorstellung gemacht. Es war klar, daß als Erstes Linux-Enthusiasten und „Heavy-user“ wie ich zugreifen werden. Der EeePC fungiert hier als eine Art PDA, als Drittrechner. Denn im Gegensatz zu Notebooks, die meist sehr schwer und immer sperrig sind, machen die Maße und das Gewicht diesen Rechner so mobil. Weshalb man diese Rechnerart auch „Ultramobile PC“ (UMPC) nennt.

Schwer ist der Umgang mit dem Rechner immer dann, wenn das eng gefaßte Konzept verletzt wird. Möchte man neue Software haben, muss man meist über das Terminal gehen. Für Linuxunkundige wie mich ist dies eine hohe Hürde, die nur dank guter Hilfe im Internet genommen werden kann. Doch auch trotz diverser Hilfen kann man an einen unüberwindlichen Punkt kommen. WLAN-Zugänge mit einem WPA-Schlüssel, der mehr als 32 Zeichen hat, sind für mich auch nach einem empfohlenen Patch nicht zugänglich. Das ist ein Linuxproblem, das ich weder verstehe noch mich interessiert. Auch der Zugang über den CiscoVPN-Client auf dem Barcamp Hannover war eine Herausforderung, die man nur mit gutem bis sehr gutem Linuxwissen lösen konnte. Hier stößt die Bedienungsfreundlichkeit des Pinguins und damit auch des EeePCs an seine Grenzen.

Die Flexibilität des Gerätes ist allerdings recht groß. In der Bedienungsanleitung wird erklärt, wie man sich Windows XP anstatt des Xandros Linux installiert. Drei USB-Ports ermöglichen viele Erweiterungen, Ein externer Monitor oder Beamer kann angeschlossen und mit 1024×768 angesteuert werden. So eignet sich der EeePC prima als Arbeits- und Surfknecht für unterwegs.

Natürlich gibt es noch Optimierungspotential. Die „Maustaste“ am Touchpad ist extrem schwergängig und bestimmt nicht kinderkompatibel. Die Lautsprecher neben dem Monitor sind unwichtig und sollten für ein breiteres Display geopfert werden. Zudem wären ein etwas größerer Speicherplatz und ein schnellerer Prozessor sinnvoll. Negativ fällt zudem auf, dass der Rechner bevorzugt ausgeschaltet aufgeladen werden muß, weil während des Betriebs viel zu wenig Energie in den Akku geht. Dieser ist leider nach etwa drei Stunden schon leer. Auch das Netzteil sollte kleiner werden.

Die Verarbeitungsqualität des Kleinen ist klasse. Die Tastatur ist leichtgängig und das Gehäuse vermittelt den Eindruck, man könne es aus großer Höhe gefahrlos falllen lassen.

Insgesamt bin ich mit diesem Gerät sehr zufrieden. Seine Mobilität eröffnet mir neue Möglichkeiten. Und sein enormer Markterfolg wird sicher viele Nachahmer hervorbringen. Das ist gut so, denn so funktioniert Innovation. Vielleicht bekommen wir dann demnächst auch endlich ein ultramobiles Tablett. Ich träume noch von einem Rechner, der in der Größe des EeepC nur einen Monitor mitbringt und den man mit einem Stift oder einer virtuellen Tastatur bedient. All das zu einem vernünftigen Preis, also unter 300 Euro. Ich gebe die Hoffnung nicht auf.

PS: Für (zukünftige) Besitzer des kleinen Rechenknechts können meine del.icio.us-Links interessant sein. Sie wachsen stetig an.

7 Responses to “Und damit kann man arbeiten?”

  1. Matt sagt:

    Alternative Tastaturlayouts wären nichts für mich, ich bin da eher unwillig, umzulernen. Glücklicherweise hat mein MacBook Air eine vollwertige Tastatur.

  2. Jens Grochtdreis sagt:

    Das ist ja süß. Du möchtest kein alternatives Tastaturlayout, hast aber nen Mac? Das ist doch das personifizierte alternative Tastaturlayout. 🙂

    Das Tastaturlayout des EeePC ist mit dem der meisten Notebooks identisch, wenn ich das richtig sehe. Dafür sind die Tasten schmaler. Anders geht es nicht, wenn man das Gerät kompakt machen will. Deshalb eignet es sich m.E. auch nicht für längeres Arbeiten.

    Mir wär es auch viel lieber, es gäb solche Rechner ohne Tastatur, nur mit Touchscreen. Wenn ich trotzdem eine Tastatur möchte, dann stöpsele ich eine via USB dran. Da gibt es auch faltbare, die ausgeklappt eine komplette große Tastatur sind. Das ist die nächste Innovationsstufe.

  3. Susanna sagt:

    Das hört sich nach einer echten Alternative zwischen dem Schlepptop und dem Palm an. Und wer wie ich sonst auch mit Linux arbeitet, kann sich gleich zuhause fühlen.

  4. andrej sagt:

    interessantes Gerät. Für 300 Euro tatsächlich eine Option.

    Welche Auflösung hat der Bildschirm?

  5. Jens Grochtdreis sagt:

    Die Auflösung ist 800×480, wie beim iPhone. Nur die Fläche ist bedeutend größer 🙂 Im Laufe des Jahres soll eine Variante mit größerer Buildschirmfläche und größerer Auflösung rauskommen. Dafür würden dann die beiden Lautsprecher geopfert werden. Auch nicht schlimm. Das Ding hat auch eine Kamera und Mikro, so funktionieren auch Videokonferenzen via Skype.

  6. Pepino sagt:

    Hört sich sehr gut an, solch ein Surf- und Lese-Gerät.
    Und ich kann Deinen Traum von einem bezahl- und benutzbaren Tablett-PC nur unterstützen… DAS wäre mal mehr als genial!!!

  7. Martin sagt:

    Jens: Zur Maustaste habe ich noch einen Tipp:

    Mit ist es bei der ersten Eee-Nutzung auch so vorgekommen, als sei es eine große Maustaste unter dem Trackpad. 🙂
    Bei genauerer Betrachtung ist mir dann aufgefallen, dass es (trotz fehlender optischer Abgrenzung) doch zwei Tasten sind. Drückt man die Wippe weit an der Seite, geht das auch entsprechend einfach. Nur der Druck in der Mitte drückt genau auf das „Kreuz“ der Wippe und geht entsprechend schwer.

    Gruß, Martin