Rezension: WordPress-Buch von Frank Bültge

Das WordPress-Buch von Frank BültgeFrank Bültge ist vielen meiner Leser sicherlich durch sein Weblog bekannt. Neben Vladimir Simovic und Michael Wöhrer ist Frank einer der profiliertesten und kenntnisreichsten Blogger zum Thema WordPress. Nun hat nach Vladimir auch Frank ein Buch über WordPress veröffentlicht. Es erschien vor Kurzem bei Open Source Press in München und kommt mit einer begleitenden Website, auf der man sich auch das Inhaltsverzeichnis und eine Leseprobe herunterladen kann.

Das Buch ist für Einsteiger und Fortgeschrittene gedacht. Echte Profis werden bestimmt wenig Neues entdecken. Neben der unvermeidlichen Erläuterung der wichtigsten Bloggrundbegriffe wie Track- und Pingbacks wird schnell die Installation beleuchtet. Dann geht es über die Erklärung der einzelnen Menüpunkte des Backends zu Themes, Plugins und Widgets. Frank thematisiert, wie man sein Blog am besten inhaltlich am Leben erhält, macht auch einen kurzen Abstecher in die unvermeidliche Suchmaschinenoptimierung, ohne sich aber zu sehr in Details zu verlieren.

Sehr hilfreich sind m.E. gerade am Anfang die Ausführungen, wie man WordPress lokal unter XAMPP installiert und wie man eine bestehende Installation auf einen anderen Server umzieht. Hier geht er, wie bei seiner sehr wertvollen Pluginübersicht, über ein normales Einsteigerbuch hinaus.

Sein Spektrum ist sehr breit angelegt, breiter als bei Vladimir. Der Buchumfang spiegelt leider den inhaltlichen Umfang nicht wider. Dies ist in meinen Augen ein schwerer konzeptioneller Fehler des Verlags. So kann der Autor die vielen Inhalte immer nur anreißen, um dann, wenn es interessant wird, auf die Onlinedokumentation zu verweisen. Die Widgets werden bspw. nur sehr oberflächlich beschrieben. Doch gerade sie werden in der Praxis Probleme beim Einrichten machen, denn sie erfordern in der Standardkonfiguration einen ganz bestimmten und sehr ungewöhnlichen Aufbau des Templates. Ein Überschreiben des Standards ist möglich, wird aber leider mehr nebenher erwähnt.
Auch der Ansatz, mittels Widgets die sidebar.php extrem schmal zu halten und wesentliche Teile ins Backend zu verlagern, fehlt leider.

Ähnlich ist es bei der Erstellung oder Modifizierung von Templates. Die Template-Tags werden angesprochen, einige wenige gezeigt, aber eine Übersicht über alle gibt es nicht. Auch hier wird wieder auf die Onlinedoku verwiesen. Anstatt auch noch die Erstellung eigener Plugins zu thematisieren, hätte Frank lieber mehr zur Erstellung eigener Templates schreiben sollen.

Ein weiterer Kritikpunkt hat aber nichts mit der zu geringen Seitenzahl für den komplxen Inhalt zu tun: auch Frank ist offenbar der Ansicht, es gäbe Alt-Tags. Es gibt nur ein Alt-Attribut, das sollte sich bei Profis endgültig herumgesprochen haben.

Franks Buch ist thematisch sehr breit angelegt und damit sehr reizvoll. Wenn eine zweite Auflage in ihrem Umfang auch diese thematische Breite widerspiegeln würde und den Themen mehr Raum gönnen würde, wär das Buch für mich eine Topempfehlung. So bleibt aber leider immer wieder das Nachschlagen in der Onlinedokumentation. Das stelle ich mir nicht unter eine Buchlektüre vor.

2 Responses to “Rezension: WordPress-Buch von Frank Bültge”

  1. Frank sagt:

    Hallo Jens,
    ich danke für die offene und kritische Rezension. Die angesprochenen Kritiken werde ich, sollte es tatsächlich zu einer weiteren Auflage kommen, beherzigen. Allerdings bin ich nicht der Meinung das ein Buch die Vielfalt und Möglichkeiten aller Template Tags darstellen sollte. Um damit immer aktuell und umfassend zu bleiben, ist wohl enormer Aufwand nötig.
    Das Erstellen von Templates innerhalb eines Themes kommt im Buch zur Sprache, eventuell zu kurz. Scheinbar ist es ausführlicher gewünscht. Auch darüber werde ich nachdenken und wenn die Chance besteht, dieses Bereich ausbauen.
    Vielleicht werde ich aber auch in der angesprochenen Website zum Buch dazu Informationen bringen.
    Für den ‚alt-Tag‘ entschuldige ich mich und verspreche Besserung!
    Die Widgets kommen nicht umsonst zu kurz, sie sind in meinen Augen lediglich für die Anwender tauglich, die am Theme nicht schrauben wollen und nicht über validen Code nachdenken. Nur ohne die Verwendung von Widgets kann man nach meiner Auffassung die volle Kontrolle über das Theme behalten. Die einfachen und sicher tollen Zusatzfunktionen der Widgets im Backend können mich nicht überzeugen.
    Liebe Grüsse und nochmals herzlichen Dank.
    Frank

  2. Jens Grochtdreis sagt:

    Hallo Frank,

    ich hoffe, Du hattest jetzt nicht den falschen Eindruck. Ich finde das Buch gut, denke aber, daß die Vielfalt der angerissenen Themen einer breiteren Erörterung würdig gewesen wäre.

    Bei der Erstellung eigener Themes fänd ich es persönlich am besten, wenn man schon im Buch eine große Anzahl von Template-Tags präsentiert bekäm. Vielleicht nicht alle, aber durchaus eine breite Auswahl. So kann man auch begreifen, welche komplexen Seiten mit WP erstellbar sind.

    Wenn Du Widgets nicht magst, was ich persönlich nicht ganz nachvollziehen kann, dann solltest Du das auch im Buch genauer ausführen. Wenn es etwas mit dem ausgegebenen Code zu tun hat: okay, das ist ein Argument.

    Das wär dann was für ein WP-Profibuch, das ich von Dir gerne lesen würde 🙂
    Ich vergaß übrigens Deinen Schreibstil positiv zu erwähnen. dAs Buch liest sich gut weg.