Barcamp in der Kritik

Ich war bislang auf zwei Barcamps und bin seit dem ersten ein echter Barcamp-Fan. Leider habe ich das letzte in Hamburg aus privaten Gründen verpaßt und werde genauso das nächste in Köln verpassen. Deshalb kann ich zu der teilweise recht heftigen Kritik am Hamburger Barcamp aus eigener Anschauung nichts sagen. Besonders Patrick Breitenbach tut sich da sehr wortgewaltig hervor. Doch ich bin gegenüber dieser Kritik sehr skeptisch.

Ein Barcamp ist immer das, was man draus macht, jedenfalls inhaltlich. Da mag das eine etwas VC-konzentriert zu sein, das nächste ist sehr entwicklerorientiert. So ist das, wenn man die Leute machen läßt. Ich versteh auch nicht die künstliche Aufregung über Sponsoring. Die Sponsoren geben Geld, Räume, Essen, Getränke, ohne eine direkte Gegenleistung zu erwarten. Auch scheint es einigen zu bequem, zu wenig „alternativ“ zu werden. Wir hatten im Vorfeld des Fankfurter Barcamps schon die Meinung in der Mailingliste, daß sich für ein Barcamp eher ein Zeltplatz als edle Firmenräume mit Kantine gehören. Ich habe nie verstanden, was an Komfort und guter Ausstattung schlecht sein soll.

Robert Basic beschreibt in einem flammenden Appel sehr gut, was der Reiz und auch das Problem eines Barcamps ist: die Teilnehmer sind für mdas Gelingen selber verantwortlich. Und die Zusammensetzung der Teilnehmer ist schwer zu beeinflussen. Die Organisatoren kennen nicht alle und können so keine „gesunde Mischung“ aus Marketing, Design und Entwicklung herstellen. Wenn es diese denn geben sollte. Die einzige Einflußmöglichkeit der Organisatoren, die Robert anregt, ist die Namen der „no-shows“ zu notieren und bei späteren Barcamps zu benachteiligen. „No-shows“ kommen entweder gar nicht oder nur kurzzeitig, obwohl sie ihr Kommen fest zugesagt haben. Dadurch fallen Plätze für andere weg. Die „no-show“-Quote in Frankfurt war recht hoch.

Die Veranstaltungsform „Barcamp“ als solches ist klasse. Ich war mittlerweile auf anderen Konferenzen, habe auch auf einer Konferenz zwei Sessions gehalten und auf zwei Barcamps Sessions gehalten. Ich finde, Barcamps sind direkter, unmittelbarer, bringen allen Beteiligten sehr viel. Ich habe unheimlich viele Anregungen von beiden Barcamps mitgenommen und mehr dort gelernt, als auf der @media oder der Webinale. Dabei sollten allerdings alle Vortragenden auf ihre Inhalte achten. Wer häufiger auf Barcamps ist, wird nicht nur immer wieder die gleichen Leute treffen, sondern auch immer wieder die gleichen Vorträge hören. Wir sollten also verhindern, daß Barcamps zu einer Kopie des weltweiten Konferenzzirkus werden, wo Leute wie Holzschlag, Shea und Keith überall immer wieder das Gleiche erzählen.

Ich finde ich es wichtig, daß diese Veranstaltungsform weiter existiert und lebt. Zusammen mit Webmontagen bilden Barcamps eine unheimlich wichtige Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, Neues zu lernen und Inspirationen zu bekommen. Ein jeder sollte sich dabei überlegen, wie er aus der Konsumentenhaltung herauskommen kann und selber etwas über eine Frage in eienr Session hinaus zum Gelingen beitragen kann.

Es kann dann ganz automatisch vorkommen, daß ein Barcamp einen anderen inhaltlichen Schwerpunkt besitzt, als ein anderes. Das ist gut so, das ist interessant. Wir sollten bei aller Begeisterung allerdings auch Vorsicht walten lassen. Ich habe den Eindruck, daß immer mehr Firmen das Interessante am Barcamp begreifen. Für viele ist diese Veranstaltung eine gute Möglichkeit, nach neuen Mitarbeitern zu suchen. Das ist ist weder schlecht, noch verwerflich. Manch einer freut sich sicherlich über ein interessantes Jobangebot in ungezwungener Atmosphäre. Eine Kommerzialisierung der Barcamps sollte allerdings nicht dabei herauskommen. Dies ist ein schmaler Grad, um den ich die Organisatoren nicht beneide.

One Response to “Barcamp in der Kritik”

  1. macx sagt:

    Leider scheintern Barcamps bei mir immer daran, dass sie über mehrere Tage gehen und ich mir niemand die Hotelkosten bezahlt. Jetzt dürft ihr mich alle mal … bedauern. 😉